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Verwunschen, verzaubert? „Las Encantadas“, wie die spanischen Entdecker die Galapagosinseln nannten, sind einer der faszinierendsten Winkel der Erde. So wie hier muss die Erde vor Jahrmillionen ausgesehen haben.
Denkt euch fünfundzwanzig Schlackehaufen, die hie und da auf einem Gelände außerhalb der Stadt abgeladen wurden; stellt euch einige davon zu Bergen vergrößert und das Gelände dazwischen vom Meer ausgefüllt vor: Dann habt ihr einen zutreffenden Begriff vom Gesamtbild der Encantadas oder Verwunschenen Inseln. Man möchte eher an eine Ansammlung erloschener Vulkane als an eine Inselgruppe denken; so könnte die Welt im Großen nach ihrer Vernichtung durch ein strafendes Feuer aussehen.“
So beschrieb Hermann Melville, amerikanischer Schriftsteller und Autor des Romans Moby Dick, die Galapagosinseln, die er 1842 als Seemann auf einem Walfangschiff bereist hatte. Er hielt den Archipel für einen trostlosen Ort – düster, verflucht und einsam. Auch die spanischen Entdecker der Inseln im 16. Jahrhundert waren enttäuscht: Die Inseln sähen aus, als habe Gott Steine regnen lassen, heißt es in einem Schreiben an Kaiser Karl V. Für den Entdecker aus dem 21. Jahrhundert sind die Inseln vor allem eines: Eine Reise durch die Zeit, durch einen Mini-Jurassic-Park. Schritt auf Tritt heißt es aufpassen, dass man nicht einem der unzähligen Leguane auf den Schwanz tritt, deren Bewegungen die Bürde von Jahrmillionen zu tragen scheinen. Gleitet eine Wasserschildkröte in Zeitlupe unter dem Boot hindurch und taucht mit einem lauten Seufzer zum Luftholen wieder auf, scheint dies wie ein Laut aus der Urzeit. So müsste es vor Jahrmillionen auf der Erde gewesen sein – dieselben Tiere, nur größer, dieselben Laute, nur lauter.
Eher verzaubert, denn verwunschen sind sie, die Eilande, die karg und bizarr aus dem Pazifik ragen. Die „alten“ Inseln im Osten – die ältesten sind etwa 3,5 Millionen Jahre alt – sind schon grün und fruchtbar. Die „jungen“ – ihr Gestein wird auf 700.000 Jahre geschätzt – sind schwarz. Unerbittlich verschieben sich die Erdplatten unter ihnen. So entstehen immer wieder neue Inseln und alte versinken.
Auch für Charles Darwin waren die Inseln ein Ort, der faszinierender war als jeder andere. Der englische Forscher war 1831 ausgezogen, um die Schöpfungsgeschichte zu beweisen. Als er am Ende seiner fünfjährigen Weltreise 1836 auf dem Inselarchipel landete, stellten seine Beobachtungen die Welt auf den Kopf. Denn statt die Schöpfungsgeschichte zu beweisen, widerlegte er sie. Die Tier- und Pflanzenwelt, die sich auf den Galapagosinseln tausende von Jahren ohne äußere Einflüsse entwickeln hatte können, führte ihm vor Augen, wie Leben entstanden ist und sich – bis heute – ständig neuen Bedingungen anpasst.
Ein Flattern, dann ein Pfeifen. Platsch! Ein Pelikan stürzt neben unserem Boot ins Wasser und macht sich mit seiner Beute wieder davon. Ein wenig weiter weg schwimmen Seelöwen. Viele ihrer Artgenossen wälzen sich faul auf dem Sandstrand einer kleinen Bucht. Dort watschelt auch ein Blaufußtölpel über die Steine – seine Füße sehen aus, als hätte er blaue Gummistiefel an. Über allem kreisen schwarze Fregattenvögel, die „Piraten der Lüfte“. Die Tiere beachten uns Menschen gar nicht und lassen sich nicht stören. Einzig erschreckte Krebse machen sich in Scharen eilig aus dem Staub, wenn ein Boot anlegt.
Jahrhunderte brauchte es, bis erkannt wurde, wie einzigartig die Galapagosinseln sind. Heute sind sie Naturschutzgebiet und UNESCO-Weltkulturerbe. Die größte Gefahr für die Inseln ist der Mensch: Immer mehr Menschen leben auf den Inseln und viele Touristen suchen Einlass in diese einzigartige Welt. Auch die Überfischung ist ein Problem. Seegurken zu fangen, ist verboten, doch der illegale Fischfang geht weiter.
Maria Zimmermann
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