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Neuseeland ist reich an Naturschönheiten. Die Skala reicht von subtropisch bis alpin. Nirgendwo sonst hätte das Fantasy-Epos "Der Herr der Ringe" gedreht werden können. Und Lebensqualität wird groß geschrieben.
Joe lässt das selbstgebraute Bier in die Krüge schäumen. "Kiwis können alles", stellt er fest. Er meint aber nicht die scheuen Vögel sondern seine Landsleute, die sich nach dem inoffiziellen Wappentier nennen. Und in erster Linie natürlich sich selbst. Im Bewusstsein, gut versorgt zu sein, klopft er auf das Fass in der Garage. Auch die Stahldrehscheibe für den tonnenschweren Rover hat er selbst gebaut. Seine Frau sollte es genau so bequem haben wie sein Nachbar. Der kommt in diesem Moment mit seinem Sohn Arthur vom Melken. Dreihundert Kühe.
Hinter Joes Garten liegt der Hotwaterbeach. Aus dem flachen Sandstrand sprudeln bei Ebbe heiße Quellen. Ein kleines Becken ist rasch geschaufelt. Wer in so einem Pool vor sich hinträumt und in die schimmernde Brandung hinaus schaut, bekommt das Gefühl, dass die Zeit stillsteht und nichts wirklich eine Rolle spielt.
Strände wie im Bilderbuch Die Coromandel Halbinsel ist für ihre Bilderbuchstrände berühmt. Einsame Schotterstraßen winden sich durch subtropische Farnwälder, und hinter jeder Anhöhe taucht eine neue Komposition aus türkisgrünem Meer, blendend weißer Bucht und saphirblauem Himmel auf. Vereinzelt liegen Siedlungen an der Küste, kleine, weiß gestrichene Holzhäuschen wie überall in Neuseeland, umwuchert von blühenden Gärten.
Von der fast menschenleeren Gegend fährt man nur eine Stunde nach Auckland. Die meisten der 1,4 Millionen Einwohner leben im eigenen Bungalow zwischen Palmen, Bananen- und Orangenbäumen. Vom 328 Meter hohen Skytower öffnen sich maritime Ausblicke auf die "Stadt der Segel": über 80.000 Yachten liegen hier vor Anker. Bunt und aufregend ist der Stadtteil Ponsonby. In den zum Teil desolaten viktorianischen Villen, zwischen First-Class-Restaurants und Secondhandläden, leben viele junge Leute und meist schlecht ausgebildete, unterprivilegierte Einwanderer Mit einer halben Million Maoris und Polynesier gilt Auckland auch als Tor Ozeaniens.
Anders ist die Situation im südlich gelegenen Rotorua Das geothermisch aktive Gebiet ist Stammesbesitz der Maoris und eine üppige Einnahmequelle. Schon die dampfenden Ritzen auf dem Parkplatz mitten in der Stadt erinnern an Vulkanausbrüche und Erdbeben, die ganze Städte verschlungen haben. Höllengestank weht in den Thermalparks über dem brodelnden Schwefelschlamm, den speienden Geysiren, Sinterterrassen und siedenden, perlmuttschillernden Seen.

Mit gutem Grund wurde Tolkiens Fantasy-Epos "Der Herr der Ringe" in Neuseeland gedreht. Kaum ein anderes Land weist so vielfältige Naturschönheiten auf. Die glitzernden Regenwälder der Kauri Coast zeugen mit den letzten, 2000 Jahre alten Kauri-Baumriesen von einer versunkenen Welt. Manche Stämme blieben im Boden 30 Millionen Jahre erhalten ohne zu versteinern. Aus dem schön gemaserten Holz dieses "Swamp"-Kauri werden Möbel maßgefertigt und weltweit verschifft.
Während an der Westküste die meist aufgewühlte Tasman Sea gegen die Küste stampft, träumen die 144 Inseln der "Bay of Islands" im Stillen Ozean. Der "Cream Trip", mit dem früher die Milch von Inseln und abgelegenen Farmen geholt wurde, ist heutzutage die wohl geruhsamste Art, durch die blau-grüne Welt der Traumbuchten zu schippern.
So ein "Cream Trip" führt auch durch die weit verzweigten Marlborough Sounds im Norden der Südinsel. In den Urwäldern des angrenzenden Abel Tasman Nationalpark wuchern Orchideen auf dicht bemoosten Bäumen. Fremde Vogelstimmen musizieren im Blätterdach von Südbuchen, Baumfarben. Wanderwege führen über Hängebrücken zu Wasserfällen und goldsandigen Traumstränden. Hinter Collingwood, irgendwo zwischen Schafen und Vacoabäumen endet die Straße.
Über die Dünen ans Ende der Welt Wer noch weiter, über die Riesendünen, bis an den sturmgepeitschten Farewell Split vordringt, steht am Ende der Welt. Paddy Gillooly organisiert die Touren in den streng geschützten Nationalpark . An den Strandseen nisten Zehntausende Wat- und Zugvögel.
Was bleibt, ist die Erinnerung. Paradiese haben es an sich, dass man sie verlassen muss. Oft denke ich an Mike, der den Waldtauben erlaubt, seine Marillenbäume zu plündern, nur weil er die großen, blauen Vögel mag, oder an Bill aus Reefton, der alles über den Goldrausch weiß, weil sein Vater noch dabei war. Ich sehe noch, wie stolz mir Calvin die Einladung der Queen zeigte. Und ich denke an die Sterne über dem Mt. Cook und an Alex Millar, der uns mit seiner Cessna auf den Gletscher geflogen hat, und daran, dass er mit Zwölf schon gewusst hat, dass Frösche durch die Haut atmen. See you later, Alex!
INFO NEUSEELAND Anreise Über Sydney oder Los Angeles nach Auckland.
Reisezeit, Klima Oktober bis April; alpin bis subtropisch.
Kleidung Leichte Freizeitkleidung, Badesachen, Pullover, Windjacke.
Unterkunft Kauri Coast: Whaley's B&B, +649 405 86 41; Bay of Islands: Craicor Accommodation, +649 402 78 82; Coromandel: Aunty Dawns Place, +647 866 37 07; Nelson: Aporo Orachard, +643 526 68 58.
Bevölkerung, Sprache Vier Millionen Einwohner, davon 15% Maori; Englisch .
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STEFAN KALMAR
© SN
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