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Reiseberichte

Die Arche Noah Afrikas
6. November 2004
Im Ngorongoro Krater in Tansania kann die afrikanische Tierwelt auf engstem Raum erlebt werden. Die zum Weltkulturerbe erklärte Region lädt nebst vielen anderen Naturparks zu Safaris ein.

Der Löwe liegt gelangweilt im Gras. Er schüttelt seine Mähne. Gähnt. Nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen. Nicht einmal die Löwin, die sich in seiner Nähe niedergelassen hat. Im Jeep, der dreißig Meter entfernt gestoppt hat, geht es hektischer zu. Das Dach des Autos ist zurückgeklappt, es werden die besten Positionen für ein spektakuläres Foto gesucht. Irgendetwas scheint das Interesse der Löwen geweckt zu haben. Sie stehen auf und gehen langsam auf den Wagen zu. Eines der Tiere kommt bis zur Türe des Fahrzeugs. Jetzt die Hand ausstrecken, und man könnte es berühren. Den Löwen interessiert hingegen nur der Schatten, den das Auto wirft. Genüsslich legt er sich nieder.

Der Ngorongoro Krater in Tansania zählt zu den Traumzielen von Afrikareisenden. Der 260 km große Krater, der den Mittelpunkt der gleichnamigen 8300 km großen Conservation Area bildet, wurde von der UNESCO 1978 zum Weltkulturerbe erklärt.

Tummelplatz im Ngorongoro Krater

Der Ngorongoro Krater ist eine afrikanische Arche Noah. Wohl nirgendwo sonst auf dem schwarzen Kontinent tummeln sich derart viele verschiedene Tierarten auf einer so kleinen Fläche. Herden von Gnus und Zebras streifen im Krater umher, Elefanten stehen im Schatten der Fieber-Bäume, Rhinozerosse sind zu sehen. Löwen, Geparden, Wasserbüffel und Hyänen liegen im Gras.

Im Magadi-See tummeln sich tausende Flamingos, im Mandusi-See Flusspferde. Praktischerweise gibt es dort auch einen Picknickplatz, von dem aus die Tiere beobachtet werden können. Und es ist auch eine der wenigen Stellen im Ngorongoro Krater, an denen die Touristen die Fahrzeuge verlassen dürfen. Sonst ist die Gefahr zu groß, bei einem Spaziergang in der Steppe einem ausgewachsenen Löwen oder Geparden gegenüber zu stehen.

Der Ngorongoro Krater ist aber nur einer von vielen Nationalparks, die es in dem ostafrikanischen Land gibt. Mindestens so bekannt wie der Krater ist die Serengeti, die direkt an das Ngorongoro-Gebiet anschließt. Die Serengeti ist das Symbol für afrikanische Exotik und Abenteuer. Nicht zuletzt durch das Buch von Professor Grzimek. "Die Serengeti darf nicht sterben" stand jahrelang auf den deutschen Bestsellerlisten. Er und sein Sohn Michael, der bei einem Flugzeugabsturz am Rand des Ngorongoro Kraters ums Leben kam, waren maßgeblich daran beteiligt, dass diese Naturlandschaft unter Schutz gestellt wurde. Und nicht zu vergessen das nahezu unberührte Selous Game Reserve, das größte Wildreservat Afrikas, anderthalb Mal so groß wie Belgien.

Natur und Tansania. Das sind aber nicht nur die weiten afrikanischen Steppen. Das ist auch der Kilimandscharo. Tausende Touristen kommen jedes Jahr nach Tansania, um in sechs bis sieben Tagen den höchsten Berg des schwarzen Kontinents zu besteigen. Eine Wanderung durch die verschiedensten Klimazonen, von der Steppe bis zum eisbedeckten Gipfel. Ein Traum, den sich viele Bergsteiger erfüllen wollen.

Einheimische ständig auf Safari

Safari. Für Europäer heißt das, sich mit einem Jeep auf die (Foto)Jagd nach den Tieren und der Landschaft Afrikas zu machen. Safari, ein Wort der Kiswahili-Sprache, bedeutet "auf Reisen sein". In Tansania wird Touristen kaum ein Wort öfter begegnen. In Tansania sind die Einheimischen ständig auf Safari. Zum Besuch bei Freunden im nächsten Dorf, bei den Behörden in der Stadt oder, weil es einfach wieder einmal Zeit ist, unterwegs zu sein.

Safaris werden in Tansania heutzutage in jeder Form und für jeden Geldbeutel angeboten. Mit dem Auto kann die Naturlandschaft ebenso wie zu Fuß durchstreift werden. Die Safari-Gäste können selbst am Ngorongoro Krater zwischen feudalen Loges und Campingplätzen wählen.

Ein Hauch von Abenteuer ist bei einer Safari selbst in der Unterkunft dabei. Das Personal warnt eindringlich, nach Sonnenuntergang das Haus nicht mehr zu verlassen. Wer sich nicht daran hält, der kann, wenn er um die Hausecke biegt, schon einem ausgewachsenen Wasserbüffel oder einem Elefanten gegenüberstehen. Und wer das alles nicht glaubt, der kann sich am Tag davon überzeugen, wenn er vor einem der großen Haufen steht, den ein Wasserbüffel zurückgelassen hat.

Die Straße zurück zur Lodge ist schmal und steil. Im Fahrzeug ist es still. Die Fahrgäste genießen den Ausblick über den Krater. Je höher das Auto kommt, umso imposanter wird er. Plötzlich bremst der Fahrer. Auf der Straße hat sich eine Horde Paviane breit gemacht.

Die Affen lassen sich vom Jeep nicht aus der Ruhe bringen. Interessiert beobachten sie das Fahrzeug, während sie gleichzeitig Läuse in ihrem Pelz suchen. Erst nach und nach machen sie den Weg zur riesigen Terrasse des Hotels frei. Dort warten bereits kühles Bier, bequeme Sessel und ein weiteres Naturschauspiel auf die Besucher: Sonnenuntergang im Krater.

Relaxen auf der Insel Sansibar

Tansania ist ein Land, das nicht nur mit der afrikanischen Steppe oder dem Kilimandscharo aufwarten kann. Ebenso interessant ist die Küste, vor allem aber die Gewürzinsel Sansibar. Traumhafte Strände und Stone town, das alte Zentrum von Sansibar Town, warten auf die Besucher, die meist nach einer anstrengenden Safari hier noch eine Woche Badeurlaub anhängen.

Ein Ort, der noch immer voller Magie steckt. Wer beim Spaziergang durch die engen Gassen, durch die verschleierte Frauen und Männer in weißen Kanzus eilen, die hohen Gebäude mit ihren Erkern und Balkonen betrachtet, der fühlt sich einige Jahrhunderte zurückversetzt. Damals, als noch die Sultane die Inseln regierten und Sansibar einer der wichtigsten Produzenten und Umschlagplatz für Gewürze, Elfenbein, kostbares Holz und Gold war.

INFO TANSANIA
Steckbrief
Das ostafrikanische Land Tansania ist 945.087 Quadratkilometer groß und hat 33 Millionen Einwohner. Gesprochen wird Englisch und Kiswahili. Pro Jahr besuchen 495.000 Touristen Tansania.

Klima
Tansanias Klima ist tropisch. Temperaturen, Luftfeuchtigkeit variieren allerdings. So ist es entlang der Küsten, der Seen und auf den Inseln das ganze Jahr über heiß und feucht. Auf dem Zentralplateau im Landesinneren herrscht trockene Hitze.

Wirtschaft
Tansania ist ein Agrarland. Haupthandelsprodukte sind Tee, Kaffee, Sisal, Baumwolle, Cashewnüsse und Gewürznelken. Auch Reis, Mais und Früchte wie Ananas und Pfirsiche werden angebaut und exportiert.

Reisezeit
Die beste Reisezeit für die Beobachtung der Tierwelt ist zwischen Oktober und Februar. Weil es sehr heiß ist, kommen die Tiere zu den zentralen Wasserlöchern und sind im verdorrten Gras auch gut zu erkennen.

ALFRED PFEIFFENBERGER

© SN

 

diese seite | 08.11.2004 | 14:34

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