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Reiseberichte

Trekking auf Madagaskar
14. August 2004
Die viertgrößte Insel der Erde, an ihrer Ostseite von einigen markanten Gebirgserhebungen geprägt, hat Trekkingtouristen eine Unmenge an Landschaftseindrücken und Naturerlebnissen zu bieten.

In den Schutzgebieten  können Pflanzen gedeihen, die nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind.  Überall liegen  farbenprächtige Geckos auf der Lauer.

Nach einem zweitägigen Aufenthalt in Antananarivo, der Hauptstadt des Landes,  brechen wir zu unserer ersten Trekkingtour im Andringita-Gebirge auf.  Abenteuerliche Flussquerungen  – per Einbaum oder watend zu Fuß – warten auf uns. Dorf für Dorf lassen wir hinter uns, bis wir in 2000 m Seehöhe die Siedlungsgrenze erreichen. An der Gestik der Dorfbewohner können wir deutlich erkennen, dass es bis jetzt kaum Besuch von Fremden, geschweige denn von Weißen gegeben hat. Scheu und voll  Skepsis wenden sie ihre Blicke von uns, allerdings nur so weit, dass es für sie gerade noch möglich ist, uns peripher zu beobachten.  Unsere Zelte und deren Innenausstattung, besonders die Schlafsäcke, haben es ihnen angetan.

Das Andringita-Massiv, südlich von Ambalavao, das von Madagaskars zweithöchstem Berg, dem Pic Boby (2658 m), gekrönt wird, zählt zu den schönsten Gebirgslandschaften der Insel und wurde daher unter Naturschutz gestellt. Der überwiegende Teil der hier im 31.160 Hektar umfassenden Reservat vorkommenden Pflanzen existiert einzig und allein auf Madagaskar. Auf dem granitenen Untergrund finden Euphorbien, eine Gattung der Wolfsmilchgewächse, Pachypodien und verschiedene Aloearten gute Lebensbedingungen.

Welche Freude kam auf, als wir das erste Chamäleon in freier Wildbahn entdeckten. Besonders interessant ist es, diese Verwandlungskünstler bei einem Beutefang zu beobachten, wenn bei gespanntem Körper die klebrige Zunge aus dem Maul schießt. Droht dem Tier Gefahr, so versucht es  sich in einem eigenartig aussehenden Wiegeschritt   aus dem Staub zu machen.

Ausgesprochen starke landschaftliche Kontraste hingegen erwarten uns bei der Tour durch das Regenwaldgebiet von Ranomafana, das durch seine Höhenlage (800 bis 1300 m) und wegen der speziellen klimatischen Bedingungen von einem typischen Bergnebelwald eingenommen wird. Fahles Licht, ein geschlossenes Blätterdach, das uns über weite Strecken die Durchsicht zum Himmel verwehrt, schaffen ärgste Orientierungsschwierigkeiten.

 Unsere Pirsch im Regenwald ist durchaus erfolgreich, machen wir doch mehrere Lemurenarten, unter anderen auch Makis aus. Besonders auffällig sind die riesigen Augen der Tiere, die die Voraussetzung für ihre Nachtaktivität darstellen. Ganz und gar abartig wäre unser Ausflug in den Regenwald, müssten wir nicht weite Strecken im strömenden Regen zurücklegen.

Anschließend wählen wir das zum Nationalpark erklärte Isalo-Gebirge, angeblich das größte zusammenhängende Bergmassiv,  als nächstes Ziel. Der Aufstieg zum Hochplateau hat es in sich. Scharfkantige Steinplatten, rutschiges Geröll und vielfach zu einem Dickicht verwachsene Dornsträucher setzen uns arg zu. Oben angekommen, sind wir überwältigt von einer wildromantischen Landschaft. Einerseits öffnen sich uns tief eingeschnittene Täler, andererseits faszinieren uns die bis zu 30 Meter hohen Erosionsformen im Kalksandstein. Regen, Temperaturunterschiede und Wind haben in der geologischen Vergangenheit diese Felskegel auf dem Plateau geformt. Eine schmale Sandbank am Rand eines ruhig dahinplätschernden Bächleins bietet uns zum Campieren ausreichend Platz. Umgeben von dichtem Strauchwerk und von Palmen-Gruppen, genießen wir die von der Landschaft zum Ausdruck gebrachte Ruhe und Harmonie.

Tagaktive Geckos sind auf den Palmblättern und Stauden auszunehmen, immer auf der Lauer, durch Blüten und Früchte angelockte Insekten zu verzehren. Die farbenprächtigsten Geckos, die Phelsumae mit ihrer smaragdgrünen Grundfarbe, die durch signalrote Flecken in der Rückenpartie übertönt wird, heben sich von den braunen Palmenstämmen, die sie für ausgedehnte Sonnenbäder zu nutzen wissen, deutlich ab.

Auf einen Abstecher nach Morondava, einem kleinen Ort an der Westküste, wollen wir vor unserer Rückreise nicht verzichten. Einerseits laden die Strände des Indischen Ozeans zum Relaxen ein, andererseits lockt eine Tour zu den nahen Trockenwäldern mit den spektakulärsten Sukkulenten Madagaskars, den Baobabs. Die Verwendung dieser Flaschenbäume, deren Stamm sich, einer Flasche gleichkommend, nach oben verjüngt und in seinem Inneren in der Lage ist, große Mengen an Wasser zu speichern, ist vielseitig. So bedient man sich der Borke, um daraus Fasern für   Seile  zu gewinnen. Dabei  nimmt der  Baum keinerlei Schaden, da sich die Borke rasch regeneriert. Holzbrei zur Papiererzeugung, aber auch das wichtigste Fortbewegungsmittel der Fischer, der Einbaum, werden aus dem Holz des Baobabs gefertigt.

In Begleitung eines ortskundigen Guides ist es möglich, Sifakas, eine der größten Lemurenarten, aufzustöbern. Abgesehen von der schwarzen Gesichtsmaske, ist das Fell dieser  in kleinen Gruppen lebenden Halbaffen einheitlich hell. Als ausgesprochene „Weitspringer“ – Sprünge bis zu zehn Metern sind keine Seltenheit – finden sie gerade hier, in den Trockenwäldern des Westens, ideale Lebensbedingungen vor.

INFO MADAGASKAR
Gesundheit

Malariaprophylaxe und Hepatitisimpfung obligat. Vorsicht bei stehenden Gewässern: Bilharziosegefahr!

Straßen
Nur die großen Städte sind durch Asphaltstraßen miteinander verbunden.   Sonst haben die  Verkehrswege pistenartigen Charakter.

Unterkunft
First-Class-Hotels und Mittelklassehotels entsprechen teilweise dem europäischen Standard, technische Pannen   sind  jedoch nicht auszuschließen.

Hotely
Das sind Restaurants, die einfache madegassische Gerichte und primitive Übernachtungsmöglichkeiten anbieten.

Reisezeit
Der Südwinter gilt als beste Reisezeit, weil dann alle Regionen des Landes ein angenehmes Klima haben (Juli bis September). Abgesehen von der Ostküste, ist die Regenwahrscheinlichkeit eher gering.

Lage
Inselstaat im Westen des Indischen Ozeans, von der Ostküste Afrikas durch den 400  km breiten Kanal   von Mosambik getrennt. Umfasst die Insel  Madagaskar und einige Nebeninseln.

Autor/in: HEIMFRIED MITTENDORFER

© SN

 

diese seite | 13.08.2004 | 12:55

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