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Reiseberichte

Getöse in der Teufelskehle
17. April 2004
Die Wasserfälle von Iguazu sind eines der imposantesten Naturschauspiele der Welt. Tiefer als bei den Niagara-Fällen stürzen auf einer Breite von fast drei Kilometern gewaltige Wassermassen mehr als 70 Meter in den Abgrund.

Ein Spektakel, das jährlich Millionen von Besuchern an die Grenze zwischen Brasilien und Argentinien lockt.

Gigantische Wassermassen stürzen donnernd in die Tiefe und versperren den Weg. Gerade noch rechtzeitig retten sich die Reisenden mit ihren Kanus an das Ufer. Schwitzend schleppen sie die Boote durch dichten Urwald. Immer wieder gleiten sie auf dem nassen Fels aus. Gischtwolken nehmen ihnen die Sicht auf das imposante Naturschauspiel. Für Don Alvar Nunez Cabeza de Vaca, Bevollmächtigter der spanischen Krone, sind die "Großen Wasser" nur ein lästiges Verkehrshindernis auf seiner Expedition von der brasilianischen Küste bis tief in das Herz Südamerikas. Man schreibt das Jahr 1541.

Eleonor Roosevelt: "Poor Niagara!"

Etwa 450 Jahre später drängen sich jährlich vier bis fünf Millionen Besucher aus aller Welt um die Iguazu-Wasserfälle. In der Sprache der Guarani-Indianer bedeutet Iguazu "Großes Wasser". Dort, wo der Rio Parana und der Rio Uruguay im Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay ein Netz aus Nebenarmen, Sümpfen und Lagunen bilden, tosen auf 2700 m Breite die spektakulärsten Wasserfälle der westlichen Hemisphäre, gewaltiger als die Niagara-Fälle. Über 275 Kaskaden stürzen pro Sekunde 1800 Kubikmeter Wasser in die Tiefe. Auch Eleonore Roosevelt, Gattin des früheren US-Präsidenten, war tief beeindruckt. Sie schrieb nur zwei Wörter ins Gästebuch des Nationalparks Iguazu: "Poor Niagara!"

Bis zu 8000 Besucher täglich kommen allein zu Ostern, verrät Hans den staunenden Gästen. Hans ist Führer im Nationalpark und Nachkomme deutscher Auswanderer. In Hochzeiten starten alle sieben Minuten Helikopter von der brasilianischen Seite. Und an den Bootsanlegestellen stehen Touristen Schlange, um den Höllenritt auf dem Wildwasser des Iguazu zu wagen.

Ausgangspunkt für einen Kurztrip zu den Wasserfällen ist das kleine Städtchen Foz do Iguacu in Brasilien. Auf der argentinischen Seite bietet Puerto Iguazu Übernachtungsmöglichkeiten. Zeit sollte sich der Gast bei seinem Ausflug auf jeden Fall nehmen, empfiehlt Hans. Zwei volle Tage sind das Minimum.

Auf der brasilianischen Seite erhält der Tourist einen Eindruck von den riesigen Ausmaßen der Wasserfälle, auf der argentinischen führen eine kleine Bahn und kilometerlange Pfade durch den feucht-heißen Urwald bis direkt über das brodelnde Wasser. Höhepunkt ist der Blick in das tosende Inferno der "Garganta del Diavolo", der Teufelskehle. Das Schlauchboot rast mit hohem Tempo flussaufwärts, direkt auf die Wand aus Wasser zu. Der Rio Iguazu ist schmutzig braun und aufgewühlt. Die Strömung wird immer reißender. Riesige Wellen brechen in sich zusammen. Immer wieder schlägt das Boot hart auf. Die Insassen klammern sich an ihren Schwimmwesten fest. Trotz Regenschutzes kriecht die Nässe unter die Kleidung. Im tosenden Wasser ist kaum ein Wort zu verstehen.

Wasserfall der verschmähten Liebe

Dann stoppt der Bootsführer das Motorboot - und wendet nur 200 Meter vor dem größten der Wasserfälle. Kurz vor der Mündung des Rio Iguazu in den Parana stürzt das Wasser in den Abgrund und bildet ein Gewirr von Inseln und Kanälen. An seiner engsten Stelle verengt sich der zuvor noch einen Kilometer breite Rio Iguazu zu einem 200 Meter engen Canyon. Diese unförmige Stelle wurde zu der größten Attraktion im Nationalpark - dem "Garganta del Diavolo".

Dass es den Besuchermagnet überhaupt gibt, dafür ist das abrupte Ende einer dicken Lavaschicht, die ganz Südamerika überzieht, verantwortlich. Aber eigentlich ist das Naturschauspiel aus verschmähter Liebe entstanden, so erzählen sich zumindest die Guarani-Indianer. Der Gott Mobi verliebte sich in die Häuptlingstochter Naipu. Diese floh in einem Einbaum mit einem Sterblichen. Der vor Eifersucht rasende Gott riss Fluss und Liebende in die Tiefe und erschuf so eines der größten Naturwunder der Erde.

INFO IGUAZU

Nationalpark
Die Iguazu-Wasserfälle gehören zum Nationalpark Iguazu, der von der UNESCO zum Naturbesitz der Menschheit ernannt wurde. 20 Meter höher als die Niagarafälle und zweimal so breit bestehen die Wasserfälle aus 275 Kaskaden. Der Eintritt in den Nationalpark kostet 3 Dollar. Vom Centro de Informes führen zwei Panoramawege auf argentinischer Seite der Katarakte durch den Park: Circuito Inferior (1,2 km) und Circuito Superior (1 km). Örtliche Reisebüros sind nicht notwendig, bieten aber etwa die fünfstündige "Gran Aventura" an: Rafting im oberen Rio Iguazu, Schlauchbootsafari, Isla San Martin und Circuito Superior.

Lage
Im Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay. Gesamt-überblick vom brasilianischen Teil, Blick aus der Nähe vom argentinischen Teil, keine Formalitäten bei eintägiger Grenzüberschreitung.

Anreise
Flüge in Argentinien ab Buenos Aires nach Puerto Iguazu, in Brasilien bestehen häufige Flugverbindungen von Asuncion, Rio und Sao Paulo nach Foz do Iguacu. Zu beiden Teilen der Wasserfälle gibt es Busverbindungen.

Reisezeit
Am günstigsten im Herbst oder Frühling. Die unglaublich heißen Sommer sind Hauptsaison, im trockenen Winter fällt der Wasserspiegel ziemlich ab.

Unterkünfte
Den Kaiserblick bietet das moderne Fünf-Sterne-Resort "International". Etwas Besonderes ist das auf brasilianischer Seite direkt an den Fällen gelegene "Cataractas". Empfehlenswert ist das preiswerte "Saint George" in Puerto Iguazu.

Autor/in: CLAUDIA HUTTICHER

© SN

 

diese seite | 20.04.2004 | 10:44

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