|
38 Millionen Gäste reisten im Vorjahr nach Las Vegas. Die größte Unterhaltungsmetropole der Welt bietet für jeden Urlauber ein maßgeschneidertes Programm: ...
... Riesige Spielhallen für "Zocker", mehr als 50 Trauungskapellen für Verliebte, Shows der berühmtesten Entertainer und überdimensionale Hotelkomplexe für Staunende.
Der kleine Mexikaner lehnt zusammengekauert auf einer Steinbank einige Meter von der Rezeption des Hotel-Casinos Luxor. Immer wieder übermannt ihn der Schlaf, er kippt zur Seite, fängt sich, die Augen klappen wieder zu. Es ist acht Uhr morgens, im Hintergrund ist das Gurgeln der Slotmachines zu hören. Zwischendurch ein Jubelschrei und das Rasseln von Kleingeld in das Auffangbecken des "Einarmigen Banditen". Verlierer leiden leise. Oft fehlt ihnen das Geld, um sich eine Übernachtung leisten zu können.
Mit dem Slogan "Alles ist möglich" wird im Österreichischen Lotto um Glücksritter geworben. In Las Vegas, der Glücksspiel-Metropole in der Wüste Nevadas, gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt. Oder wie es der Schauspieler Anthony Curtis ausdrückte: "Wer nach Las Vegas kommt, will seinen Job vergessen, seine Verpflichtungen, die Schulden, die auf dem Haus lasten. Es ist das Ticket zu Dingen, die man normalerweise nie täte."
Nach der Hochzeit ein Bungee-Sprung
Eine spontane Hochzeit gefällig? Kein Problem. Die meisten der mehr als 60 mit Kunstgestecken aufgemöbelten "wedding chapels" haben 24 Stunden am Tag geöffnet. Verheiratet wird man in allen Lebenslagen: auf einer Harley Davidson, im Cabriolet, verkleidet als Ritter und Prinzessin mit Hofstaat, in einer Limousine mit eingebauter Badewanne, auf einer Bungee-Plattform, um sich gleich anschließend in die Tiefe zu stürzen. Elvis-Fans wählen aus 67 lizenzierten Imitatoren ihren Liebling zur Untermalung aus oder man lässt sich einfach im Hubschrauber über der Stadt trauen. Wer in die Spuren von Joan Collins, Mia Farrow, Bruce Willis, Frank Sinatra oder Michael Jordan treten möchte, der sagt sein "Ja" bei Heirats-Königin Charolette Richards in deren "Little White Chapel".
Show und Unterhaltung gefällig? Daran führt in der pulsierendsten Stadt der Welt ohnehin kein Weg vorbei. Zurzeit teilt Sir Elton John mit seiner Show "The Red Piano" das Colosseum im Hotel Caesars Palace mit Celine Dion. In den Hotels Bellagio und Treasure Island gastiert der Cirque du Soleil mit den Programmen "O" und "Mystere", im Luxor die extravagante "Blue Man Group". Wer etwas mehr Haut zu sehen wünscht, dem wird im New York - New York unter dem Titel "Zumanity" ein Erotik-Kabarett geboten. Die Tanzshow "La Femme" im MGM Grand imitiert eine Crazy-Horse-Produktion. Anstelle von Piraten kämpfen nun halb nackte Meerjungfrauen in einer Seeschlacht vor dem Treasure Island.
Markusplatz und Rialtobrücke
Für Amerikaner ist es ein ungeschriebenes Gesetz: Mindestens einmal im Leben muss man Las Vegas erlebt haben. Viele "ersparen" sich mit diesem Trip eine Europa-Reise: Venedig wird in Form des Hotels Venetian maßstabgerecht kopiert - Dogenpalast, Rialtobrücke, Campanile, Markusplatz und Gondolieri auf den Kanälen. Einzig Taubenkot und das durch Industriebetriebe stinkende Meer wurden nicht nachgeahmt. Das Hotel Paris zeigt ein Ensemble aus Eiffelturm, Arc de Triomphe, Champs-Eysees und Louvre. Vor dem Eingang des Hotels Luxor thront eine gigantische Sphinx und von der Spitze der 110 Meter hohen Glaspyramide erleuchtet "der stärkste Laserstrahl der Welt" den Nachthimmel.
Superlative sind für die Spielermetropole gerade gut genug. 14 der 15 größten Hotels weltweit stehen in Las Vegas, mit 5700 Zimmern ist das MGM Grand die Nummer Eins. 38 Millionen Besucher kamen im Vorjahr, die 128.000 Hotelzimmer sind zu 80 Prozent ausgelastet. Jährlich ziehen knapp 80.000 Menschen zu, Las Vegas ist mit mehr als 1,4 Millionen Einwohnern die am schnellsten wachsende Stadt der USA. Im Bundesstaat Nevada sind keine Einkommens- und ganz niedrige Grundsteuer zu zahlen. Der höchste jemals erzielte Gewinn von 43 Millionen US-Dollar an einer Slotmachine darf nicht darüber hinweg täuschen, dass fast immer das Casino gewinnt. Mehr als neun Milliarden Dollar klingeln jährlich in deren Kassen. Jeder Besucher gibt im Schnitt 500 Dollar für das Glücksspiel aus und verbringt täglich 3,7 Stunden damit. 60 Prozent der Einnahmen werden mit den Spielautomaten - vor allem Videopoker - erzielt.
Das System, die Gäste zum Zocken zu animieren, ist bis ins Detail ausgeklügelt: In den riesigen Hallen gibt es weder Fenster noch Tageslicht, auch Uhren sucht man vergeblich. Beleuchtung, Deckenhöhe, Hintergrundgeräusche - nichts wird dem Zufall überlassen. Wer ins Kino will oder zur Rezeption, um die Hotelrechnung zu begleichen, muss unweigerlich an Spieltischen und Automaten vorbei. Die Kehrseite dieser Reizüberflutung, die ein Unterscheiden von Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen lässt: Las Vegas ist im Verhältnis gesehen in den USA führend bei Selbstmorden, Tod durch Schusswaffen, Alkoholikern, Schwangerschaften unter Teenagern und Jugendlichen ohne Schulabschluss.
Spielen bis der rechte Arm lahmt
Im Schatten der grellen Lichter betreut das "Problem Gambling Center" einen Bruchteil der 120.000 Spielsüchtigen (fast zehn Prozent der Einwohner). Ein Soziologe der Einrichtung erzählt: "Ich habe Patienten, die nur noch 15 Prozent Bewegungsfähigkeit in ihrem rechten Arm haben, weil sie tagelang die Knöpfe an den Maschinen gedrückt haben."
Glücksritter auf Abwegen. "Rien ne va plus", heißt es nicht nur am Roulette-Tisch. Auch der kleine Mexikaner auf der Steinbank hatte offensichtlich vergeblich auf das große Los gehofft. Vielleicht waren es die Albträume, die ihn an diesem Morgen immer wieder aus dem Schlaf rissen.
INFO LAS VEGAS
Veranstalter Reisen nach Las Vegas werden von Dertour, Meier's Weltreisen und ADAC angeboten. Die Veranstalter organisieren für jeden Gast Individual-Pakete nach dem Bausteinprinzip. Der Dertour Österreich-Geschäftsführer Gerhard Begher hat seinen Sitz in Salzburg, Franz Sauer Straße 46-50; Tel. 0662/4088-21; E-Mail: gerhard.begher@dertour.at
Hoteladressen In Las Vegas befinden sich 14 der 15 größten Hotels der Welt mit bis zu 5700 Zimmern. Die Hotels sind Erlebniswelten. Luxor, 3900 Las Vegas Blvd. South, NV 89119; Tel. 001/702/262-4444 und 1-800-288-1000; Treasure Island, 3300 Las Vegas Blvd., Tel. 001/702/8947779.
Klima und Service An 211 Tagen im Jahr scheint in der Wüstenstadt die Sonne. Die beste Reisezeit liegt zwischen März und Mai bzw. Oktober und Dezember. Auskünfte: Mangum Group, Tel. 0049-89-236621-0; www.mangum.de.
Ausflüge Der Grand Canyon liegt rund 480 Kilometer von Las Vegas entfernt. Scenic Airlines bietet einen eineinhalbstündigen Rundflug ab 189 US-Dollar. Tel. 001/702/6383275; www.scenic.com. Über die Sahara-Avenue Richtung Westen gelangt man in zirka 40 Minuten zum Parkeingang des Red Rock Canyon. Die Flugzeit zum 216 Kilometer entfernten Death Valley beträgt rund 40 Minuten. Das Wüstengebiet liegt 85 Meter unter dem Meeresspiegel, tiefstgelegener Punkt des Kontinents.
Autor/in: FRITZ PESSL
© SN
|