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24 Grad Celsius warme Wintertage in Greater Fort Lauderdale, das Floridas Werbestrategen spitzbübisch als "Venedig Amerikas" anpreisen.
Auf den Parkplätzen vor den Villentüren ankern PS-trächtige Luxusyachten, mit denen die "Gondolieri" durch die Nobelviertel der Metropole von Broward County zu düsen pflegen.
Der Tourist nimmt mit dem Wassertaxi vorlieb, das von Bahia Cabana aus den Intracoastel Waterway und den New River entlang zum Riverfront Arts & Entertainment District gleitet, vorbei an den Besitztümern der Reichen und Schönen von Fort Lauderdale. Zu Fuß ein Abstecher ins Museum of Discovery and Science, sich umschauen im Museum of Art, flanieren auf dem Las Olas Boulevard mit seinen Boutiquen, Galerien, Restaurants und Night Clubs.
Hotels, Banken, Bürogebäude und Wohnhäuser kratzen die Wolken. Tausende Glühbirnchen leuchten, Girlanden umranken Bäume, Säulen und Zäune. Hinter einem riesengroßen Weihnachtsbaum - ein Geschenk der Millionärsfamilie Huizenga an die Stadt - tanzen Wasserfontänen. Santa Claus, in allen nur möglichen Größen und Materialien, genießt den angenehm warmen Abend. Der Mitteleuropäer mag lächeln, aber schließlich ist auch der Stall von Bethlehem nicht im Schnee versunken.
Von Weihnachtsfrieden und stiller Zeit kann im Office Depot Center von Fort Lauderdale keine Rede sein. "Make some noice", fordert die Leuchtschrift die 15.000 Fans in der Eisarena zur Unterstützung der Florida Panthers auf, die im NHL-Match die favorisierten Montreal Canadiens bekämpfen. Dem ernüchternden 0:2 nach dem ersten Drittel folgt der Befehl "Let's go laod", und unter Beifallsstürmen drehen die Panthers das Spiel noch um. Bis die Schlusssirene den 4:2-Sieg besiegelt, müssen noch Unmengen von Fast Food aller Art vertilgt werden.
"Das" Ereignis von Fort Lauderdale ist die alljährliche Winterfest Boat Parade, bevorzugt zu verfolgen vom Balkon einer Suite - schlichte 1000 Dollar pro Nacht - im 10. Stock des Marriott Hotels. Gut 100 Yachten, Motorboote und Kanus, allesamt prächtig geschmückt, ziehen auf dem Intracoastel an 850.000 Zuschauern vorbei. Hubschrauber kreisen über der von Leuchtraketen vielfärbig erhellten Szenerie. Das begleitmusikalische Repertoire reicht vom "Löwen, der diese Nacht schläft", bis zum unverzichtbaren "Merry Christmas and a Happy New Year". Das "Dreaming of a White Christmas" bleibt freilich auch dieses Jahr ein Traum.
"Chehuntamo!" im Seminolen-Reservat
In der Butterfly World von Coconut Creek steigert sich die Farbenpracht zum Höhepunkt. Tausende bunte Schmetterlinge umschwirren den Besucher, lassen sich bereitwillig auf exotischen Blumen nieder, um für Schnappschüsse zu posieren.
"Chehuntamo!" - der Willkommensgruß in der Big Cypress Seminole Reservation am Rand der Everglades geht in schweren Regengüssen unter, so als ob der Stammeshäuptling den durchaus friedlich gestimmten Weißen grollte. Im Ah-Tha-Thi-Ki Museum ist die Geschichte von Floridas "unconquered Indians" aufs Anschaulichste dargestellt. Der Stamm entstand seit dem 18. Jh., als vom Norden her Creek u. a. Gruppen nach Florida eindrangen und sich mit den dort ansässigen Appalachee, Timukua und Calusa mischten. In mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen wehrten sich die Seminolen gegen das Vordringen weißer Siedler.
Wichtigster Wirtschaftszweig der Indianer ist heute der Tourismus. Auch die in drei Bingo-Casinos erzielten Einnahmen fließen den Seminolen zum Bau von Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen zu.
Im Billie Swamp Safari Camp dringen die Besucher auf einer Öko-Tour mit brüllenden Airboats und großen Geländefahrzeugen in die geheimnisvolle Tier- und Pflanzenwelt der Everglades ein. Alligatoren pflügen durch das Wasser, die auf den Lichtungen grasenden Büffel und Antilopen haben jede Scheu vor den menschlichen Störenfrieden verloren. Im Swamp Water Cafe stehen "Gator" Tail Bites und Frogleg Frittes auf der Speisekarte.
Was liegt in diesen vorweihnachtlichen Tagen nä-her, als auf Shopping-Tour zu gehen. Die Discount-Mall Sawgrass Mills lockt mit Preisen, die beim ärgsten Geizhals die Kaufwut auslösen. In unmittelbarer Nähe öffnet im Frühjahr das Kinderparadies Wannado seine Pforten.
Am Strand von Pompona Beach noch einmal kopfüber hinein in den Atlantik. Dann ein "shonabish!", ein Dankeschön zum Abschied vom vorweihnachtlichen Greater Fort Lauderdale. "Ciao!", nebelfreies "Venedig Amerikas", wo die "Gondeln" lieber Frohsinn als Trauer tragen.
Autor/in: INGO WINKLER
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