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Reiseberichte

Tasmanien plus Regentag
21. Juni 2003
Eigentlich müsste diese Insel ein Paradies für Wetterfrösche sein. Ein Meter fünfzig Regen im Westen, etwas weniger im Osten und bis zum Südpol nichts mehr, was den Stürmen trotzen könnte.

So einfach ist es gestrickt, das Klima auf Tasmanien, dem kleinsten Bundesstaat Australiens.

Sally Button verteidigt "ihre" Insel: "Wer uns besucht, muss auf alles gefasst sein. Aber nirgends in Australien sind die Jahreszeiten so ausgeprägt und voller Farben wie hier auf Tasmanien." Einst kam sie mit ihrem Mann aus Sydney, um eine Woche in den "Alpen" zu wandern, die Felsenküste zu erkunden und ein paar von Australiens ältesten Orten "mitzunehmen". Dann aber verliebten sich die Buttons in das Land, das hier ein bisschen wie die Schweiz, dort wie Süd-England und gleich um die Ecke vielleicht wie Kalifornien wirken kann. Sie kauften sie die alte Farm zwei Stunden hinter Hobart und vermieten seither heile Welt mit Frühstück.

Es sind nicht nur "Aussies" vom "Kontinent", die in so einer für Tasmanien typischen, stets leicht nostalgisch angehauchten Bedand-Breakfast-Bleibe Urlaub machen. Auch immer mehr Touristen aus Übersee schließen die grüne Insel 240 Kilometer südlich von Melbourne in die Herzen. Denn statt mit australisch endlosen Weiten lockt dieses Tasmanien, das knapp so groß wie Bayern ist, mit nicht weniger als 14 Nationalparks auf europäisch kleinem Raum. Schneebedeckte Berge und Regenwälder mit urzeitlichen Baumfarnen und Eukalyptus-Riesen prägen den fast menschenleeren Westen, während der Osten noch den Kleinstadtcharme der britischen Kolonialzeit atmet.

Tasmanien will erobert, durchwandert, verkostet und erforscht werden. Wer da nicht mindestens eine Woche plus den verkorksten Regentag Zeit mitbringt, sollte sich den Flug nach Hobart schenken. Dort, zu Füßen des Mount Wellington, gibt sich Tasmanien ein bisschen hauptstädtisch. Fast jeder zweite der 460.000 Insulaner wohnt in dem Mini-Ballungsraum zwischen Hügeln und Meeresbuchten - Häuschen für Häuschen ebenso liebevoll gepflegt wie unverbaubar an den Hang gepappt. Hier wird regiert, gehandelt und genossen, Geld verdient und ausgegeben. Der Beitrag der "Tassies" zu Australiens Wirtschaftskraft ist nicht unbedeutend. Obst, Gemüse, Krabben, Schafe, Holz und Wein werden hier verschifft, allen voran der berühmte "Granny Smith". Auch Australiens einziger Whiskey kommt aus Hobart, ebenso das Bier mit dem "Tasmanischen Tiger" im Label und "Cadbury", die nationale Schokoladenmarke.

Samstags gibt's Flohmarktflair an den alten Lagerhäusern von Salamanca Place, bei Regen einen Besuch im Antarktis-Zentrum und bei Sonnenschein - zwischen Schauen und Shoppen - downtown einen Platz im Straßencafé. Dann ist Hobart wie Schweden bei Ostseehoch: Farben und Menschen blühen auf, man flaniert und verwickelt Wildfremde in einen Schwatz über Gott und die Welt.

Tasmaniens "Traumstra-ße" heißt Lyell Highway. Sie führt quer durch die Welt der "kalten Regenwälder" und zerklüfteten Bergketten des Inselinneren. Wie Perlen an der Schnur reihen sich hier die schönsten Nationalparks Australiens auf: "Mount Field" etwa, wo man Bergseen und Palmen im Schnee ebenso erwandern kann wie monströse Wasserfälle und Wälder mit 90 Meter hohen Baumgiganten. Schneebedeckte Gipfel spiegeln sich in den Seen des Nationalparks "Cradle Mountain/ Lake St. Clair", und 605.000 Hektar unerforschte Einsamkeit bietet der "Southwest National Park", zu dem sie "The Never-Never Land" sagen.

Wer richtig tief in diese Wildnis eintauchen möchte kann sich mit Zelt und Rucksack ein paar Tage in den Busch verabschieden. Doch auch bei kleineren Touren in den Parks fühlt man sich in eine urzeitlichkurios anmutende Welt zurückversetzt, die für sich allein die weite Reise lohnen würde.

Es ist das Reich der tausend Eukalyptus-Varianten, mannshoher Baumfarne und exotischer Leatherwood- und Kiefernarten, bevölkert von possierlichen Springbeutlern wie Possum und Pandemelon, tapsigen Wombats und dem berühmten, wenngleich nur nachts aktiven "Tasmanischen Teufel". Und glaubt man denen, die ihn getroffen haben wollen, dann streift sogar der legendäre "Tasmanische Tiger", ein Fleisch fressendes Beuteltier, das seit 70 Jahren als ausgerottet gilt, noch durch die unendliche Einsamkeit der Regenwälder.

INFO TASMANIEN

Anreise
Größere Flughäfen in Hobart und Launceston (Ansett und Quantas fliegen mehrmals täglich zu allen Zentren Australiens). Auto-Nachtfähre Melbourne-Devonport ("Spirit of Tasmania") und Schnellfähre Melbourne-Georgetown ("Devil Cat"). Überfahrt durch Bass Strait kann rau sein.

Verkehrsmittel
Busse der "Tasmanian Redline Coaches" verbinden die wichtigsten Orte und Städte ("Tassie Pass" für 7, 15 oder 30 Tage); Mietwagen der gängigen Vermieter in den größeren Städten sowie an den Flughäfen Hobart und Launceston. Allradfahrzeuge sind nicht erforderlich.

Reisezeit
Oktober bis April. Der unfreundliche Süd-Winter (Mai-September) sollte gemieden werden. Für eine Rundreise - Nationalparks, Tasman Peninsula sowie die Städte Hobart und Launceston - sollte mindestens eine Woche angesetzt werden. Vier bis fünf Tage mehr für Wandertouren im Westen.

Autor/in: LOTHAR STEIMLE

© SN

 

diese seite | 23.06.2003 | 11:22

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