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Reiseberichte

Sonne, Sand und Sterne
7. Juni 2003
Mitten im Indischen Ozean träumt der kleine Inselstaat Mauritius der Zukunft entgegen. Einen sehr aktiven Traum. Selbst abgelegene Winkel sind auf guten Straßen leicht und schnell erreichbar.

Für Kapitän Lindsay beginnt der Tag wie jeder andere. Gut aufgelegte Leute klettern an Bord des Katamarans. Nachdem er die schläfrig grüne Lagune überquert und offenes Wasser erreicht hat, füllt der Passat das Großsegel und den saphirblauen Himmel mit ein paar Wölkchen. Bald sind die Tempel und Hotels der Grand Baie nur mehr kleine, weiße Punkte. Die bizarre Bergkulisse schwimmt über dem fast schwarzen Wasser, grün überwucherte Vulkanstümpfe wie Totems aus einer anderen Welt.

In einem Meer aus flüssigem Licht

Bootsmann Mike kurbelt an der Winch und der Katamaran legt ein paar Knoten zu. Das Hochzeitspärchen vorn am Netz zwischen den Bügen bekommt eine Dusche ab. Macht nichts, im wärmsten Meer der Welt. Nach acht Meilen ist die Ilot Gabriel erreicht. Der Himmel hier leuchtet tiefer als irgendein Film wiedergeben kann und die blendend weißen Strände gleiten sanft in ein Meer aus flüssigem Licht.

Ein Pfad windet sich durch Busch und Lavablöcke zum Gipfel. Dort wartet der Affengott Hanuman auf Rauchopfer. Bunte Wimpel flattern um die kleine Statue und weiße Strawbirds mit rotem Schweif segeln über der menschenleeren Wildnis. Dieser seltene Vogel fliegt auch als Markenzeichen für Air Mauritius nonstop von Wien nach Mauritius.
Der Mix von Luxusresorts gleicht einer Collage von asiatischen, afrikanischen und europäischen Kultursplittern. Der zwanzig Jahre alte Rum an der Bar des Sugar Beach Resorts sieht aus, als wäre gerade die Sonne darin untergegangen. Nach dem Candlelightdinner bringen glitzernde Shows die Sterne zum Erblassen und am kilometerlangen Sandstrand lassen sich ganze Tage verträumen. Schwarzes Lavagestein, weiß gekalkte Mauern und luftige Wandelgänge umschließen den tropischen Garten wie ein magrebinischer Palast. In dieser Oase zwischen Orchideen und Wasservögeln regiert meditative Ruhe. Um so bunter wirkt "Le Coco Beach". Das Team hält, was das Design verspricht: einen riesigen Abenteuerspielplatz. Speziell für Kinder entwickelt, reichen die Aktivitäten von Golf bis zum Kletterkurs auf Kokospalmen und im Internet warten neue Freunde. 180 Kilometer Traumstrände, ein famoses Service und die gute Infrastruktur katapultierten den Tourismus als Devisenbringer an dritte Stelle.

Mauritius ist um einiges kleiner als Vorarlberg, selbst abgelegene Winkel sind auf den erstklassigen Straßen bequem zu erreichen. Der Samstag gehört auf jeden Fall Port Louis. Da ist Markttag. Menschen verschiedenster Hautfarben und Religionen bevölkern die dämmerigen Holzhallen aus der Kolonialzeit und die tropischen Früchte glühen mit den farbenfrohen Saris der Hindufrauen um die Wette.
Nachmittags bestimmt die Pferderennbahn am "Champs de Mars" das gesellschaftliche Leben. In den 200 Jahren seit seiner Gründung hat sich der Turf-Club zum Millionengeschäft entwickelt. Wenn die Hufe über die Zielgerade donnern, flutet ein Adrenalinstoß durch die Tribüne und presst den gleichen, unbeschreiblichen Laut auf zigtausend Kehlen von britischen Beamten und französischen Großgrundbesitzern, von chinesischen Buchmachern, indischen Managern und kreolischen Zuckerrohrarbeitern. An den Hängen der Bambous Mountains wächst Zuckerrohr seit 360 Jahren.

Der kleine Ort Bambous Virieux liegt oberhalb der Küstenstraße in den Feldern versteckt. Das Rad der Zeit scheint hier stillzustehen. Frauen waschen im Flussbett Wäsche, alte Männer spielen Domino unter dem Mandelbaum am Dorfplatz. Auf den Dächern trocknen Fischernetze. Harmonikamusik von der Nachbarinsel Rorigues oder, je nach Tageszeit, der Muezzin tönen aus dem Radio eines Hinterhofes. Meistens erklingt aber Segamusik, der Nationalrhythmus der Insel

Bei Regen riecht's nach Zuckerrohr

Wenn es regnet, weht ein Geruch nach feuchter Erde und Zuckerrohr von den Feldern herein. Geschäft gibt es keines, nur einmal die Woche den Lieferwagen mit Kostbarkeiten wie Essiggurkerln, Seife, Fleisch. Dafür gibt es das Meer. Wer nicht als Maurer oder Zimmermann arbeitet, ist mit seinen Freunden draußen beim Fischen.
Nach Curepipe hinauf führt die Straße in kühleres Klima und zu teureren Baugründen, durch eine Allee alter Baumriesen, vorbei an stilvollen Kolonialvillen und verfallenen Zuckermühlen. Der Name des Ortes erinnert an Zeiten, als der Reisende dort mit seiner Kutsche gerade so weit von Port Louis entfernt war, dass er seine fertig gerauchte Pfeife putzen konnte. Sie hätte aus Meerschaum sein können, vielleicht ein schön geschnittener Januskopf. Heute würden beide Seiten versöhnlich lächeln, die Arme und die Reiche, die Vergangenheit und wahrscheinlich auch die Zukunft.

INFO MAURITIUS

Anreise
1x wöchtentlich Mittwoch mit Air Mauritius ab Wien direkt.

Veranstalter
Airtour Austria, Tel. 01/5266510, Website: http://www.airtour.at

Währung
1 Euro = 39 Mauritian Rupies

Hotels
Coco Beach, Tel. +230 415 10 10, Fax: +230 415 18 88
Sugar Beach Resort, Tel. +230 453 90 90, Fax: +230 453 91 00

Shopping
Brillanten, Kaschmir, Knitwear

Klima
Subtropisch bis tropisch

Sprache
Englisch, Französisch, Kreol

Buchtipp
Marco Polo: Mauritius

Autor/in: STEFAN KALMAR

© SN

 

diese seite | 10.06.2003 | 11:25

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