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Von Europa kommend wird man zuerst in die Hauptstadt Lima dirigiert. Rund sieben Millionen Einwohner - und damit ein Drittel der Bevölkerung des Landes - leben in dieser in einer Küstenwüste gelegenen Agglomeration.
Der Humboldt-Strom kühlt die über den Pazifik herangeführten feuchten Luftmassen so weit ab, dass es zwar zur Kondensation kommt, Niederschläge aber weitgehend ausbleiben. Trotz dieser klimatischen Ungunst stellt gerade dieser Küstenabschnitt für Perus Wirtschaft die Lebensader dar.
Jährlich wandern rund 200.000 Personen nach Lima zu, für die meisten von ihnen endet die Landflucht in den Pueblos Jovenes, den Elendsvierteln. Viele kolonialzeitliche Bauten im Zentrum sind beeindruckend, können aber mit jenen der alten Hauptstadt Cuzco nicht mithalten.
In 3310 Metern Höhe, am Rande eines Hochbeckens gelegen, war Cuzco schon in der Inka-Zeit die Hauptstadt, der "Nabel der Welt". An wenigen Stellen kann man anhand der Ausmaße übriggebliebener Ruinen erahnen, welch gewaltige Bauwerke vor der Ankunft der Spanier im Jahre 1533 hier existiert haben mussten. Ein solches Relikt stellt beispielweise die "Alte Inkamauer" dar, deren Fragmente die Fundamente vieler Häuser bis in die Gegenwart bilden.
Der Quechua-Stamm, dessen Hauptsiedlungsraum das zentrale und nördliche Hochland darstellt, überwiegt zahlenmäßig unter den Indio-Völkern. So ist es auch verständlich, dass Quechua neben Spanisch als zweite Amtssprache geführt wird. Doch von Gleichberechtigung kann keine Rede sein. Das Schulsystem ist so ausgerichtet, dass eine höhere, beziehungsweise spezielle Ausbildung im allgemeinen nur für die Kinder der Bezieher mittlerer und höherer Einkommen möglich ist.
Den Indios bleibt der soziale Aufstieg weitgehend verwehrt. Der Hauptgrund liegt darin, dass gute schulische Ausbildung fast nur in teuren Privatschulen zu erlangen ist, für die jedoch den Indios die nötigen Mittel fehlen.
Sollte man noch immer an der Höhenumstellung laborieren und trotz häufigen Konsums von Mate de coca keine Verbesserung eingetreten sein, dann sollte man sich dennoch für ein paar Tage zu einem Abstecher nach Macchu Picchu aufraffen. Als im Jahre 1911 die Inka-Siedlung, über deren Funktion man heute noch rätselt, und von deren Existenz die Spanier keine Kenntnis hatten, vom Amerikaner Hiram Bingham entdeckt wurde, musste sie erst von ihren pflanzlichen Überwucherungen befreit werden.
Schier unbezwingbar scheint die Felspyramide des Huaina Picchu zu sein. Schwindelerregend sind die Abstürze zum Urubambatal, das rund 1000 Meter tiefer liegt. Grandios ist der Ausblick auf die zum Greifen nahen eisgekrönten Sechstausender. Imposanter als das zu Füßen liegende weiträumige Ruinenfeld ist die umgebende wilde Hochgebirgskulisse.
Die Zentrallandschaft Perus, der sogenannte Altiplano, der südlich von Cuzco beginnt und mit einer Länge von rund 700 Kilometer bis ins benachbarte Bolivien reicht, wurde mit Erosionsmaterial der Gebirgsketten zu beiden Seiten aufgefüllt. Wie vielfach in den Andenstaaten, ist auch hier aus klimatischen Gründen die agrarische Nutzung bis in Höhen von 3600 Meter, oft sogar darüber hinaus, möglich. Inkahirse, Weizen, Mais und Kartoffeln können hier - bei meist bescheidenem Ertrag geerntet - werden.
Sobald man in den Nahbereich des Titicacasees, durch den die Grenze zwischen Peru und Bolivien verläuft, kommt, befindet man sich im Siedlungsgebiet der Aymara, die vermutlich bereits vor den Inkas weite Teile Perus und Boliviens für sich in Anspruch genommen haben.
Auf ungefähr 80 künstlichen Inseln im See leben heute noch an die 500 den Urus zugehörige Indios, die einst von den Aymara unterworfen wurden und, von den Ufern des Sees verdrängt, hierher ausgewichen sind. Der Fischfang und die essbaren Teile des Schilfes waren ursprünglich ihre Lebensgrundlage. Staatliche Subventionen und Einnahmen aus dem Tourismus unterbinden heute weitgehend eine einst massive Abwanderung, die vor allem in Richtung Hauptstadt erfolgt war.
Einen letzten Blick zurück auf die reiche Geschichte der Region bieten die Grabtürme bei Sillustani, etwa 35 Kilometer vom Titicacasee entfernt. Hoch über dem Umayo-See sind noch einige dieser Rundtürme (Chullpa) in ihrer ursprünglichen Größe und Form erhalten.
Die Mumien bedeutender Persönlichkeiten einer hoch entwickelten Kulturgesellschaft sollen hier bereits in vorinkaischer Zeit, also zwischen den Jahren 1000 und 1400, beigesetzt worden sein - als bei uns tiefstes Mittelalter herrschte.
Autor/in: HEIMFRIED MITTENDORFER
1. Dezember 2001
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