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Reiseberichte

Mittsommer in Dalarna
31. Mai 2003
Da besteht kein Zweifel: Das Fest der Feste ist für die Schweden "Midsommar". Die Region, in der man die Sommersonnenwende am traditionellsten feiert, ist das mittelschwedische Dalarna.

Und das Herz von Dalarna ist der malerische Siljansee, 250 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Stockholm.

Am Hauptfesttag - "Midsommarafton" ist immer ein Freitag - versammeln sich daher zigtausend Besucher in den Orten um den Siljansee. Doch ein Geheimtipp ist der 50 Kilometer süd-östlich davon gelegene, wesentlich ruhigere Runnsee. In dem malerisch zwischen Wasserflächen hingestreuten Torsang, einem verträumten 685-Einwohner-Dorf, lässt sich ein farbenfrohes Fest mit viel Liebe zur Tradition erleben. Weniger als tausend Besucher feiern hier das Maibaumaufstellen mit - eher ein Fest nur für Einheimische und jene Stammgäste, die in Dalarna gern Urlaub machen.

In Torsang warten am späten Nachmittag die Zuschauer dicht gedrängt am Ufer auf die den Dalälven-Fluss herunterkommende Bootsparade. Eröffnet wird sie von einem der ältesten noch aktiven schwedischen Dampfboote, der 1894 gebauten "Domnarfvet". Auf dem mit Birkenstämmchen geschmückten Vorderdeck tanzen vier Paare in Tracht zur Ziehharmonika. Ähnlich festlich die folgenden weißen Dampfschiffchen, die hier bis in die 70er Jahre die Holzflöße gezogen haben. Immer wieder heulen heiserfreudig die Dampfsirenen. Anschließend kommen die mit frischem Birkengrün verzierten Ruderboote. Sie transportieren den Maibaumschmuck einige hundert Meter weiter zum malerisch auf einem Landstreifen gelegenen Hembygdsgard, dem Heimathof. Die einstöckigen rostroten Holzhäuser, zwischen hohen Birken und Kiefern stehend, öffnen sich im Halbrund zum schilfigen Ufer. Auf dieser Wiese versammeln sich alle erwartungsfroh zur Mittsommerfeier.

Der Chor beginnt, die Musikanten fiedeln emsig, eine Bassgeige zupft den Rhythmus und eine Schar von Frauen in bunter Tracht befestigt flink die Girlanden und Kränze an der "Majstang". Intensiv leuchten in der Abendsonne die roten und blauen weiten Röcke, die grünen Mieder, das Weiß der Blusen und Kopfhauben. Nach getaner Arbeit fassen sich die Trachtlerpaare um die Hüften und drehen sich zu beschwingten Volksweisen über den Rasen.

Ein frohes "Hurra" auf den Sommer

Doch dann wird es anstrengend: Sechs Mann - ganz schick in schwarzen Bundhosen, weißen Hemden und rotbeige gestreiften Westen - stemmen mit langen Doppelstangen den Zwölf-Meter-Maibaum langsam Schub für Schub nach oben. Jeweils angefeuert vom Publikum durch ein von "Zeremonienmeister" Harald dirigiertes "Oh hej". Nach schweißtreibenden zwanzig Minuten ein letzter Ruck und der Maibaum rutscht in die Verankerung; die beiden Kränze an der Querstange baumeln heftig.

Die Nationalhymne wird angestimmt, des Pfarrers Rede endet mit einem vierfachen "Hurra" auf den schwedischen Sommer und dann beginnen die vor allem von den Kindern sehnlichst erwarteten lustigen Reigenspiele. Jung und Alt machen mit und wirbeln beschwingt um den neuen Mittsommerbaum; Kinder und Jugendliche mit Blumenkränzen oder blaugelben Schwedenbändern im Haar. Besonders ausgelassen geht's zu bei den kleinen Fröschen, den "Sma grodorna", wo alle singend um den Baum hüpfen und "quak, quak, quak" machen.

Heute ist kein Abend wie jeder andere! Fröhlich wünscht man sich "Trevlig midsommar" (frohen Mittsommer) und beim traditionellen Mahl gibt es eingelegte Heringe mit saurer Sahne und neue Dill-Kartoffeln, zum Nachtisch einheimische Erdbeeren mit Vanilleeis und natürlich Schnaps. Ausgelassen feiern viele durch die ganze Nacht.

Früher wartete auf die älteren Mädchen noch eine spannende Aufgabe: Sieben verschiedene Blumenarten zu sammeln - aber unbedingt schweigend! - und in dieser Mittsommernacht unter das Kopfkissen zu legen. Dann würde ihnen im Traum ihr zukünftiger Bräutigam erscheinen. Doch heute? Wie viele andere auch gehen sie zum Mittsommertanz, etwa auf die Landungsbrücken an den Seen, und im geheimnisvollmagischen Licht dieser hellsten aller Nächte treffen sie - vielleicht - auf ihren Liebsten.

Autor/in: NORBERT LINZ

© SN

 

diese seite | 02.06.2003 | 12:50

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