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Auf Indianisch bedeutete der Name der Stadt "Sammelplatz". Heute ist sie Drehscheibe für internationales Kapital und Heimat für mehr als einhundert Ethnien.
Die Leute wollen nicht recht aussteigen. Nur ein schmaler Laufsteg führt um den Turm und trennt die Lifttür von 450 m Abgrund. Wie aus dem Helikopter fällt der Blick hinunter auf die spiegelnden Wolkenkratzer. Seit 25 Jahren ist der CN-Tower das höchste Bauwerk der Welt. Wer den Zeitpunkt wählen kann, lässt sich mit dem Panoramalift in 58 Sekunden zu den letzten Sonnenstrahlen hinaufschießen.
Aus dieser Höhe ist von den 4,4 Millionen Einwohnern keiner auszumachen. Doch, auf der Laufbahn auf dem Dach eines Büroturms dreht jemand seine Runden. Downtown erwacht die Queenstreet. Pralles Leben füllt den alten Straßenzug, Bankomaten haben Hochbetrieb. Menschenmassen quellen aus der Straßenbahn.
Für Pub- und Barhopper ist Toronto ein wunderbarer Platz und so sicher wie Abrahams Schoß. In der Horseshoe Tavern servieren "Los straight jackets" handgeschnitzten Hardrock. Die Tanzfläche explodiert. Karibische Prinzen und Feen wiegen ihre Hüften im Bamboo. Und im Edel-Jazz-Club "Top o' the Senator" wachsen die steilsten Riffs aus dem Saxofon. Verpflegung ist kein Problem, auch wenn das Dinner unter den Tisch fällt. In den Deli-Märkten duftet rund um die Uhr frisches "Viennese Bread" vom italienischen Bäcker im Regal.
Was wäre das weltoffene Toronto ohne seine Einwanderer. Eine Million Menschen aus allen Kontinenten prägen ganze Stadtviertel. Die Underground verbindet Griechenland mit Polen, die Straßenbahn Madras und Mailand. Ob koreanische Akupunktur, tropische Früchte oder eine russische Messe, ein portugiesischer Fischmarkt oder ein jüdischer Schuster - nichts, das in den quirligen "Neighbourhoods" nicht zu finden wäre. Manchmal riecht es noch im 30. Stock nach chinesischer Ente. Little Italy wird allerdings erst um 11 Uhr vormittags munter. Dann entfalten sich die rosa Gazettas und das Aroma von Espresso im Café Diplomatico. Der südliche Pulsschlag erreicht selbst den Financial District. Doch nur zu Mittag dringt die Sonne zwischen den Bürotürmen bis auf den Grund. Mit dem Dominion Center baute Mies van der Rohe schon in den sechziger Jahren Architekturgeschichte.
Heute ist Toronto nach New York der bedeutendste Finanzplatz Nordamerikas. Wenn der Rasenplatz zwischen den vier glatten, schwarzen Monolithen smaragdgrün aufleuchtet, strömen Banker und Broker an die frische Luft. Mit blauem Hemd, Maßschuhen und der Aktentasche unterm Kopf meditieren sie erschöpft im Gras.
Vom Bankenzentrum zur Fähre am Lake Ontario sind es nur ein paar Schritte und während der Überfahrt nach den Toronto Islands zeigt sich die Skyline in ihrer ganzen Pracht. Kein größerer Kontrast ist denkbar, als anschließend durch die stillen Kanäle der grünen Oase zu paddeln. Alte, blumengeschmückte Hausboote stimmen ein für den Besuch des Harbourfront Antique Market. Dort lässt sich Kanadas Geschichte genüsslich durchstöbern.
Elf Kilometer unterirdische Geschäftsstraßen und die Underground erreichen fast jeden Punkt Downtown. In Yorkville finden wir die goldene Modemeile. Dicht gedrängt folgen einander die Couturetempel von Cartier, Hermés, Tiffany oder Versace. Schicke Patios und flotte Restaurants machen das Viertel zum Freizeitpark.
Herrenausstatter Harry Rosen ist das Reich von Signore Francesco. Der Meister des Maßanzugs würde ebenso gut in die Londoner Savile Row passen. Mister V. (mehr steht nicht im Kundenbuch) kommt zur letzten Anprobe. Als er in das 40.000-Dollar-Kunstwerk von Kaschmirmantel schlüpft, lächelt er breit: "Oh, Signore Francesco, ich fühle mich so komfortabel." "Glauben sie mir, Sir", der Meister lächelt ebenfalls, "ich werde den Tag bedauern, an dem ich Ihnen dieses Stück verkaufen muss".
Sieben Millionen verkaufte Karten pro Jahr machen Toronto zu einer der bedeutendsten Theaterstädte. Und niemand verwechselt Österreich mit Australien. Innerhalb einer Woche berichteten Zeitungen über Schönberg, über Klimt und über eine Ballett-Adaption von Schnitzlers Reigen. Ein Nachruf erinnerte an den 1929 in Ybbs geborenen Fotografen Franz Maier. Er hatte in Toronto für "The Globe and Mail" gearbeitet. Eine seiner Aufnahmen zeigt eine Entenmutter, die mit ihren Küken den Lakeshore Boulevard überquert, während ein Polizist den Verkehr anhält. Das Foto machte ihn weltberühmt.
INFO TORONTO
Anreise Mit Austrian Airlines fünf Mal pro Woche direkt
Klima Heiße Sommer, kalte Winter
Unterkunft Royal York Hotel, 1928 im Chateau-Stil erbaut, Tel. 001/416/368 25 11; King Edward Hotel, im Zentrum des Finanz- und Theaterdistrikts, Tel. 001/416/863 31 31
Währung 1 Euro = 1,38 Can. Dollar
Auskünfte Tourist Board Toronto, Tel. 001/416/203 26 00, www.toronto-tourism.com
Autor/in: STEFAN KALMAR
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