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Unterwegs im Galapagos-Archipel zu den Rendezvousplätzen exotischer Vögel. Tomas de Berlanga, Bischof von Panama, gilt als Entdecker. Riesenschildkröten waren überaus begehrte Fangobjekte.
Das schrille und abgehackte Gebrüll der Seelöwenbullen ließ mich aus dem Schlaf hochfahren. Anscheinend waren sich zwei Bullen in den Pelz geraten. Für Augenblicke war ich unfähig, meine örtliche Position einzuschätzen, denn zu fremdartig war für mich der enge Schluf der Kabine, die sich noch dazu in einer permanenten Schaukelbewegung befand.
Wir hatten gerade die erste Nacht an Bord der Lobo del Mar, einer mittelgroßen Motoryacht, die Platz für 16 Passagiere bot, verbracht. Mächtige Wolkenfetzen hingen tief herab und versprachen eher Regen als Sonnenschein. Nach einem ausgiebigen Frühstück war eine trockene Landung auf Seymour angesagt, einer winzigen Insel im Zentrum des Galapagos-Archipels. Das niedere Lavaplateau sorgte für unbeschwerliches Wandern.
Furchtlos begegnen Tiere dem Menschen
Die zur Trockenzeit blattlosen, silbrigweißen Äste der Balsambäume dienten als Rendezvous- und Balzplätze für die Prachtfregattvögel. Im Nu waren die männlichen Vö-gel in der Lage, durch Vergrößerung ihres roten Kehlsackes ihre Attraktivität gegen-über den weiblichen Artgenossen um das xfache zu steigern und den vorbeifliegenden Weibchen hiermit eindeutig die Paarungsbereitschaft zu signalisieren. Ihre Unbeholfenheit an Land kompensieren sie durch ihre kaum zu überbietenden Flugeigenschaften.
Die Furchtlosigkeit, mit der die Tiere dem Menschen begegnen, veranlasste uns, bewusster und mit mehr Sorgfalt einen Fuß vor den anderen zu setzen, denn überall, zum Teil sogar direkt auf dem Trail, befanden sich Nest- und Brutplätze der Blaufußtölpel. Vom Balzritual angefangen über den Liebesakt bis zur Aufzucht der Brut, einfach alles hatte diese etwa zwei Quadratkilometer umfassende Insel zu bieten. Besonders beeindruckend war auch hier wieder das Balzspiel, das mit wechselweisem Beinheben beginnt und im "Skypointing" seinen Höhepunkt erreicht: Zu einem schrillen Pfeifton werden Schwanz, Schnabel und Flügelspitzen zum Himmel gerichtet.
Rund 60 Inseln sind dem Inselverband zuzuordnen, der als isolierter Teil Ecuadors etwa 1000 Kilometer westlich des südamerikanischen Festlandes auf der Höhe des Äquators liegt und über eine Landfläche verfügt, die ungefähr der Größe des Bundeslandes Salzburg entspricht. Die über einem stationären Hot Spot auf Südamerika zudriftende Nazca-Platte, auf der die Inselgruppe angesiedelt ist, bewirkt, dass ein ausgeprägtes vulkanisches Aktivitätsgefälle Richtung Osten feststellbar ist.
Trotz der Dominanz von Schildvulkanen, deren Enstehung in direktem Zusammenhang mit dem Ausflie-ßen von Pahoehoe-Lava, also dünnflüssiger Gesteinsschmelze, zu verstehen ist, sorgen u. a. Tuff- und Schlackenkegel sowie weiträumige Calderen auf manchen Inseln, wie beispielsweise auf Bartolome, für abwechslungsreiche Landschaftsformen. Vom höchsten Punkt dieses Eilandes wird einem ein umwerfendes Panorama zuteil. An der schmalen Landzunge, die gegen Westen führt, scheint der gewaltige Pinnacle Rock als Wächter der ihm zu Füßen liegenden Sandbucht zu fungieren .
Mit dem Jahre 1535, als unbeabsichtigterweise Tomas de Berlanga, damaliger Bischof von Panama, auf seiner Schiffsreise nach Peru gleichzeitig die Entdeckung des Archipels für sich in Anspruch nehmen konnte, beginnt die bewegte Geschichte der "Arche Noah" im Pazifischen Ozean. Über zwei Jahrhunderte dienten die seinerzeit in der Weite des Weltmeeres schwer auffindbaren Landflecke Piraten, Freibeutern und Walfängern als Versteck. Als besonders begehrte Fangobjekte galten vor allem die Riesenschildkröten, die man lebendig in den Schiffsbäuchen zu verstauen wusste und erst bei Bedarf einer Schlachtung unterzog. Die anfängliche Dezimierung kam sehr bald auf vielen Inseln einer Ausrottung gleich, so dass man heute durch Aufzucht in Reservaten und späterem Aussetzen in heimatlichen Gefilden dieser Entwicklung erfolgreich entgegenwirkt.
Wie Raketen stürzen sie sich ins Wasser
Die 1964 in Puerto Ayora auf Santa Cruz gegründete Charles-Darwin-Forschungsstation verweist u. a. wohl auf den prominentesten Besucher, der die Studien und Erkenntnisse seines fünfwöchigen Aufenthaltes zur Basis für sein 1859 erschienenes Werk "Über den Ursprung der Arten durch natürliche Auslese" werden ließ.
Vom Deck unserer Yacht aus beobachteten wir bereits eine geraume Zeit Blaufußtölpel bei ihrer Jagdausübung. Dabei bedienen sie sich einer eher selten praktizierten Methode. Aus Höhen von 20 bis 30 Metern setzen sie sich, meist zu zweit, durch Anlegen der Flügel und Abkippen in die Vertikale einem Sturzflug aus und schlagen wie Raketen dicht nebeneinander auf dem Wasser auf. So ist es ihnen möglich, vorerst ihre Beute zu untertauchen - Tauchgänge bis in Tiefen von 15 Metern können durchaus erreicht werden - und ihr erst beim Auftauchen zuzusetzen.
INFO GALAPAGOS
Anreise Erfolgt über Quito (Ecuador)
Zeitunterschied Sieben Stunden (zur mitteleuropäischen Sommerzeit acht Stunden)
Reisezeit Ganzjährig, es gibt keine beste Reisezeit
Gesundheit Im Allgemeinen reicht es aus, die empfohlenen Verhaltensrichtlinien für tropische Länder zu beachten. Im kontinentalen Ecuador sind vorbeugende Maßnahmen gegen Hepatitis, Tbc, Cholera und Malaria zu empfehlen.
Kleidung Leichte Kleidung, auch auf den luxuriösen Kreuzfahrtschiffen; von Juni bis September ist auch ein wärmerer Pullover anzuraten. Regenjacke, feste Sportschuhe und Badezeug sollten beim Inselhüpfen nicht vergessen werden.
Autor/in: HEIMFRIED MITTENDORFER
© SN
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