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Die eindeutige Nummer Eins in dem 19.000 Hektar großen Park sind die Riesenschildkröten, die auf spanisch Tortugas heißen.
Ein Baumstamm treibt in der Mitte der Lagune. Langsam nähert sich das kleine Ruderboot dem Hindernis. Wenige Zentimeter davor hält es an. Die sechs Touristen, die im Boot sitzen, blicken ratlos um sich. 'Crocodilo', murmelt Fremdenführer Jose und zeigt auf das angebliche Stück Holz.
Krokodile, die im tiefgrünen Wasser liegen oder sich auf den Sandbänken sonnen, sind im Tortugero Nationalpark in Costa Rica immer wieder zu sehen. Sie sind aber nicht die Hauptattraktion. Auch die in den Mangroven und Palmen sitzenden weißen Ibisse, Papageien und die von Ast zu Ast turnenden Brüllaffen sind es nicht. Die eindeutige Nummer Eins in dem 19.000 Hektar großen Park sind die Riesenschildkröten, die auf spanisch Tortugas heißen.
Touristen statt Schildkröten
1975 wurde das Schutzgebiet, das nur auf dem Wasser- oder Luftweg erreichbar ist, gegründet, um die seltenen Tiere in ihrer Existenz zu sichern. Zwischen Juli und Oktober bietet sich den Besuchern ein grandioses Schauspiel: Die schwerfälligen Tiere kriechen nachts auf den Strand, legen ihre Eier ab und kehren wieder ins Meer zurück, bevor die Sonne brennt. Für die Bewohner dieser abgelegenen Region war das Sammeln der Eier und das Fleisch der Tiere lange Zeit eine wichtige Verdienstquelle. Seit das Gebiet geschützt ist, verdienen die Einheimischen nicht mehr an den Tieren sondern an den Touristen - und das deutlich besser.
Ausgangspunkt für Ausflüge in den Nationalpark ist eine kleine Siedlung, die wie der Park Tortugera heißt. Auf Stelzen errichtete Holzhäuser prägen das Dorf. Nur einige wenige Lodges bieten Unterkünfte an. Die einzige Bar in dem Ort ist eine größere Hütte, deren Veranda in Richtung Lagune gebaut ist. Ein grober Holzboden, selbstgemachte Sessel und Tische prägen das Bild. Aus den Musikboxen dröhnt Reggae-Musik. Die Einheimischen trinken vor allem Gin und Cola, weil es das weitaus billigste Getränk ist. Das Mischverhältnis ist für europäische Vorstellungen ungewohnt. Eine kleine Flasche Gin und eine kleine Flasche Cola sind die normale Ration für einen Abend.
Der an der Karibik-Küste nahe der Grenze zu Nicaragua liegende Nationalpark ist nur eines von 30 Schutzgebiete in Costa Rica, die seit Anfang der siebziger Jahre geschaffen wurden. Mehr als ein Fünftel der Fläche des mittelamerikanischen Landes steht unter Naturschutz. Dampfende Regenwälder, nebelverhangene Hochwälder, ockergelbe Savannen, Trockenwälder, Mangrovensümpfe, Bergketten und Vulkane, Korallenriffe vor der Küste und grüne Inseln machten aus Costa Rica ein beliebtes Reiseziel, vor allem für US-Bürger. Wobei Costa Rica auf Öko-Tourismus setzt. Qualität statt Quantität lautet die Devise. Bettenburgen sind verpönt. Costa Rica ist aber trotzdem nicht nur ein Land für naturverliebte Ökotouristen. In dem mittelamerikanischen Land kann man auch jede Menge Spaß haben.
Das Geheimnis des Wellenreitens
Vor allem an der Pazifikküste ist während der Saison 'party time' angesagt. Jorge ist Mitglied der Surf-Nationalmannschaft von Costa Rica. Gleitet er nicht gerade selbst auf der Suche nach Pokalen und Preisgeldern über die Wellen, versucht er im Badeort Jaco Touristen in die Geheimnisse des Wellenreitens einzuweihen. Lediglich zwei Stunden Autofahrt von der Hauptstadt entfernt liegt das costaricanische Surfparadies. Hier ist Wellenreiten die Hauptattraktion. In den Bars laufen ohne Unterbrechung Surfvideos. Surfshops bieten die neueste Beachware an. Und natürlich ist jeder hier unheimlich cool.
Bei einem kühlen Drink in einer der Strandbars lässt sich das Schauspiel der 'Jungsurfer' am besten genießen. Zuerst üben die Wellenreit-Neulinge auf dem Trockenen. Die Surfbretter liegen im Sand, darauf die Sportler. Ein Pfiff von Jorge und die Nachwuchssurfer versuchen in die richtige Position zu springen, zu gleiten oder zu hüpfen. Wer es nach etwa ein bis zwei Stunden Trockentraining problemlos schafft, darf ins Wasser. Gewonnen ist damit aber noch nichts. Im Meer sieht die Sache etwas anders aus. Die Welle anschauen, mitpaddeln, auf das Brett aufspringen und abgeworfen werden, lautet am Beginn die Devise. Für die Zuseher sind die Figuren, die dabei zu beobachten sind, jedenfalls von hohem Unterhaltungswert.
Es dämmert. Der Nebel zieht langsam den dicht bewaldeten Berghang hoch. Es ist schwül und feucht. Den zwölf Touristen steht der Schweiß auf der Stirn, die Kleider kleben am Körper. Das stört aber niemand. Gibt es doch ein unglaubliches Naturspektakel zu bewundern. Der 1633 Meter hohe 'Volcan Arenal' schleudert rotglühende Lavabrocken in den Himmel. Lavaströme suchen sich rasend schnell ihren Weg von den Bergflanken ins Tal.
Exotische Vögel im Nebelwald
Auch der Nordwesten Costa Ricas hat mit der Region um den Arenal-See ein sehenswertes Stück Natur zu bieten. Neben dem Vulkan ist es aber das private Schutzgebiet Monteverde, das Besucher anlockt. Zahlreiche Lehr- und Wanderpfade durchziehen den Nebelwald, der die Heimat von 350 Vogel-Arten, 500 Baum-, 300 Orchideen- und 200 Farn-Arten ist. Die Hauptattraktion ist der sogenannte Sky-Walk: Hängebrücken, die in den Gipfeln der 40 Meter hohen Bäume verankert sind und den Besuchern einen einmaligen Einblick in das Leben des Regenwaldes geben.
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