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Reiseberichte

Archipel im Feuerring
29. März 2003
Von Oahu, Kauai, Niihau, Maui, Lanai, Big Island und Kahoolawe abgesehen, sind die meisten der weit über 100 Inseln des US-Bundesstaates Hawaii winzige Atolle. Anschauungsunterricht im Fach Vulkanismus.

Der Anflug auf Honolulu macht die Traumvorstellungen von einer Südseeatmosphäre abrupt zunichte. Eine typisch amerikanische Stadt mit schachbrettartigem Grundriss und eine gigantische Skyline zeichnen sich ab. Doch die anfängliche Enttäuschung legt sich bald, wenn man die Stadt und ihre reizende Umgebung erst einmal kennen gelernt hat.

Etwas mehr Verständnis entwickelt man sehr bald für die eher dem amerikanischen Festland eigene Architektur, wenn man erfährt, dass rund vier Fünftel der Bevölkerung des Inselstaates sich in Honolulu niedergelassen haben, dass etwa 60 Prozent der Touristen nur hierher kommen, um den weltberühmten, über 3 km langen Strand von Waikiki zu erleben. Erst eine im Jahre 1922 durchgeführte Trockenlegung einer ausgedehnten Sumpfebene durch die Errichtung des Wai-Kanals machte Waikiki zu einem der begehrtesten Strände der Welt.

Wenn es heute rezenten Vulkanismus nur mehr auf Big Island gibt, so ist dennoch die Entstehungsgeschichte des gesamten Archipels mit vulkanischen Aktivitäten verbunden. Über einem stationä-ren "Hot Spot" - heute liegt Big Island darüber - driftete die Pazifische Platte in der geologischen Vergangenheit in nordwestlicher Richtung und bewirkte, dass die westlichsten Inseln nicht nur zu den ältesten gehören, sondern dass sie auch durch ihre große Entfernung vom "Hot Spot" keinen aktiven Vulkanismus mehr aufzuweisen haben. Im Südosten von Big Island ist eine weitere Insel im Entstehen. Die ständigen untermeerischen Magmaaustritte berechtigen zur Annahme, dass in etwa 10.000 Jahren eine neue Insel, Loihi, entstehen könnte.

Keine andere Inselgruppe als Hawaii ist besser geeignet, dem Reisenden Vulkanismus total zu bieten. Mauna Kea und Mauna Loa, die Grundgerüste der Insel, sind von ihrem Aufbau her typische Schildvulkane. Den ausgesprochen sanften Anstieg von der Küste bis zum Kraterrand in etwa 4000 m Höhe bewirkte das Ausfließen von Pahoehoe-Lava, einer dünnflüssigen Gattung von Gesteinsschmelze. Das relativ rasche Erkalten dieser Lavaströme an der Oberfläche macht diese glatt oder hinterlässt ganze Zöpfe, einem Strickmuster gleichkommend. Mit etwas Glück kann man im Volcanoes National Park Zeuge austretender Pahoehoe-Lava werden und feststellen, mit welch hoher Geschwindigkeit sie sich dem Meer nähert und sich in dieses ergießt. Dabei können sich riesige Lavaröhren bilden, wie etwa die Thurston-Tube unweit des Kilauea-Iki-Kraters.

"Mondlandschaft" in vielen Farben

Zu einem Bergerlebnis besonderer Art zählt auf Maui die Begehung der Calderalandschaft, des über 3000 m hohen Haleakala. Übersät von vielen kleineren und zwischendurch auch größeren Kratern, deren Farben je nach Zusammensetzung des Gesteins von Gelb über Rotbraun bis Violett und Schwarz wechseln, entsteht der Eindruck, eben auf dem Mond gelandet zu sein. Auf dem Weg zum Puu o Maui, der den Kraterboden um rund 300 m überragt, entdeckt man blühende Silberschwerter inmitten einer ausgeprägten Wüstenlandschaft. Argyroxiphium Sandvicensis ist weltweit eine Rarität, deren hellgrüne, schwertähnliche Blätter zu dieser Namensgebung führten. Sein zarter Blattflaum vermag die morgendlichen Tautropfen festzuhalten und aufzusaugen, wodurch eine bescheidene Versorgung mit dem kostbaren Nass gewährleistet ist. Nach ungefähr 8 bis 10 Jahren wird, wenn ein bis zu 1,5 m hoher Blütenstengel nach oben treibt, die ursprünglich kugelige Form der Pflanze aufgegeben. Allerdings sind die Tage dieser botanischen Besonderheit gezählt, sobald der rotgoldene bzw. purpurfarbene Blütenschmuck verwelkt.

Unweit von Kahului liegt das Mekka der Surfer. Die Küstenabschnitte zwischen Spreckesville und Paia sind aufgrund lang anhaltender Starkwinde und infolge besonders hoher Wellen von Surfakrobaten bevorzugt aufgesuchte Gebiete. Die alte Hafenstadt Lahaina an der Nordwestküste ist, selbst wenn es seine wirtschaftliche und administrative Bedeutung längst an Kahului und Wailuku abgetreten hat, dennoch einen Besuch wert. Seit 1964 versucht man, die alten Holzbauten in der Frontstreet und andere historische Gebäude, wie das Pioneer Inn und die Missionshäuser, dem Stadtbild zu erhalten.

Die Wasserqualität des Meeres ist selbst im Hafen von Lahaina von ausgezeichneter Güte. Für Sportbegeisterte sind die Betätigungsmöglichkeiten grenzenlos. Man braucht reizvolle Strände, die zum Verweilen einladen, nicht erst suchen, sie sind einfach da. Sandstrände in den Farben Weiß, Ocker, Rot bis Schwarz, gesäumt von Palmen, die für ausgeprägte Südseeatmosphäre sorgen, wechseln mit Steilküsten, an denen die seinerzeit ins Meer geströmte Lava zu phantastischen Formen erstarrte.

Autor/in: HEIMFRIED MITTENDORFER


INFO HAWAII

Anreise
Einige Fluggesellschaften ab Frankfurt direkt oder mit Zwischenlandung in den USA oder in Kanada.

Mietauto
Verlassen Sie sich nicht auf öffentliche Verkehrsmittel. Leihwagen für Inselerkundungen unumgänglich. Taxis zu teuer.

Unterkünfte
Hotelpreise in US-Dollar: Ein Stern bis 50, zwei Sterne 50 bis 100, drei Sterne 100 bis 150, vier Sterne 150 bis 200, fünf Sterne über 200. Auch Bed & Breakfast, Wohnungen und Strandhäuser in allen Kategorien.

Auskünfte
Auf jeder Insel Zweigstelle des Hawaii Visitors Bureau mit Broschüren und Prospekten über Hotels, Restaurants, Touren, Sehenswürdigkeiten, Autoverleiher und Veranstaltungen. Hawaii Visitors Bureau, Waikiki Business Plaza, 7. Stock, 2270 Kalakaua Avenue, Honolulu, HL 96815, Tel. 92 31 811.

© SN

 

diese seite | 31.03.2003 | 11:10

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