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Subtropische Vegetation und ländlicher Friede verwandeln Madeira in einen Garten Eden. Mildes Klima lädt zu Kur und Erholung ein. In der Hauptstadt Funchal wird die Nacht zum Tag.
Wer nach Madeira kommt, betritt das Reich ewigen Frühlings. Weiße Dörfer und rote Ziegeldächer leuchten aus dem saftig grünen Vegetationsmantel, der bis an die wild zerklüftete Gipfelregion reicht. Zwei Drittel der Insel sind Nationalpark. Die fruchtbaren, vulkanischen Böden schenken reiche Ernte. In den terrassierten Tälern glaubt man sich in eine Art Wachau mit Bananen Mangos, Maracujas und Avocados versetzt. Doch der Wein bleibt der berühmteste Botschafter der Insel. In geflämmten Fässern mit Brandy erreicht der schwere "Madeira" seinen einmaligen Geschmack.
20.000 Fässer verschifften die Engländer bereits im 18. Jhdt. Und sie entdeckten das ganzjährig milde Klima für Kur und Erholung. Im Reid's Palace Hotel lässt sich noch heute das noble britische Understatement genießen. Ansonsten blieben Erbe wie Alltag portugiesisch. Überbordend barocke Goldaltäre und die allgegenwärtigen Azulejos, blaue Wandfliesen, erinnern an das Mutterland.
In den Dörfern, und das ist alles außerhalb der Hauptstadt Funchal, strömt nach der Sonntagsmesse Alt und Jung aus der Kirche. Die Lä-den der Geschäfte öffnen sich, die Cafès am Platz stellen ihre Stühle heraus auf die "esplanada". Auf dem Kofferraumdeckel der zitronengelben Taxis wird Karten gespielt und auf den Balkonen und Terrassen wachsen Orchideen wie Unkraut. Bukolische Ruhe schenken die Fincas, zu Hotels adaptierte Landsitze von Adeligen aus der Kolonialzeit.
Hinter den Gärten und Plantagen der Küstenhänge zersägen tiefe Schluchten das grün überwucherte Gebirge. Mächtige Baumfarne entrollen ihre Fächer. Wasserfälle stürzen im Schatten von Lorbeerwäldern zu Tal, feuchtwarme Tropenluft kondensiert glitzernd an Rhododendren. Je nach Jahreszeit blü-hen Kamelien, Ginster, Ecumeen und Hibiskus um die Wette. Eine völlig unzugängliche Welt, gäbe es nicht die Levadas. So aber führen Wege entlang dieser alten Bewässerungskanäle den Wanderer in die Stille, über Treppen und Viadukte, durch lichtlose Tunnels, und vorbei an senkrecht abfallenden Wänden. Ein raueres Gesicht zeigt die Insel bei Klippenwanderungen. Die Landzunge Ponta de Lourenco wird nur im Frühjahr von zarter Flora überzogen. Wenn Sturm das Meer um den sonnenverbrannten, bizarren Appendix in ein schäumendes Inferno verwandelt, kann der Weg gefährlich werden.
Plauscherl bei einem Glas Wein
Wo die Autobahn endet, enden auch die erstklassigen Tunnel. Von dort an führt die Straße durch wüst in den Berg gesprengte, unbeleuchtete Löcher, teilweise über holprigen Fels. Wasserfälle platschen aus Felsspalten auf die Windschutzscheibe.
In den abgelegenen Fischerhäfen riecht es nach frischem Bootslack, Zuckerl werden einzeln und nach Farbe verkauft. Dem Blick auf das Blumenmeer hinter einem Gartenzaun folgt unweigerlich die Einladung auf ein Glas Wein. Glatt gegen den Durst ließe sich der trockene Rote trinken. Mama, Oma und Tante legen ihre Stickerei zur Seite und genießen den kleinen Tratsch. Die feinen Stickereien auf hauchdünnem Tuch heißen "Bordados" und landen ebenso wie die Blumen in Funchal.
Liebenswert erhalten hat sich das koloniale Flair des Stadtbildes. Die schwarzwei-ßen Pflasterornamente würden ebenso gut ins alte Brasilien passen wie die Verwaltungsbauten und Barockkirchen. Das Convento Santa Clara stammt aus dem 16. Jhdt. und wurde mit prachtvollen Azulejos ausgestattet. Die Gemälde bezahlte das Kloster mit Zucker. Auch die Panflöte, mit der sich der Scherenschleifer ankündigt, scheint aus einer anderen Zeit herüber zu klingen. Der Mix aus alten Geschäften, üppiger Vegetation und den jungen Leuten in Straßen und Cafe`s fügt sich nahtlos zur halb tropischen, halb westlichen Atmosphäre der Stadt.
Neben Portugiesisch sprechen die meisten Menschen tadelloses Englisch, manche auch Deutsch. Abends trifft sich halb Funchal am Kai im "Mulhe". Ein Lift führt zu Cafè und Disco unter dem Sternenhimmel auf den Festungsfelsen. Vom Plateau öffnen sich phantastische Rundblicke über den Hafen mit den beleuchteten Kreuzfahrtschiffen und auf Funchal.
Bis in siebenhundert Meter Höhe sind die Hänge bebaut. Der Jardim Botanico ist nur einer der zahlreichen Gärten, wo die schönsten tropischen und subtropischen Pflanzen gedeihen. Monte ist seit zwei Jahren auch mit einer Seilbahn erreichbar und das meist besuchte Ausflugsziel der Insel. Das liegt einerseits an der Aussicht, andererseits an den Korbschlitten mit Kufen, in denen man wieder fröhlich zu Tal sausen kann. Vielleicht auch daran, dass hier Karl I., Österreichs letzter Kaiser, seine letzte Ruhe fand. Gegenüber der düsteren Kapuzinergruft hat der Platz entschieden Vorteile.
INFO MADEIRA Lage Inselgruppe im östlichen Atlantischen Ozean, 500 km nordwestlich von Afrika, Inseln Madeira, Porto Santo, Desertas-Inseln. Klima Im Winter Minimum 16 plus, im Sommer Maximum 30 plus; SO trocken, NW und Inneres feucht. Währung Euro Sprache Portugiesisch, Englisch
Autor/in: STEFAN KALMAR
© SN.
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