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Betrug mit Gelben Seiten

Neuerlich versucht eine international agierende Gruppe, Unternehmer in Österreich abzuzocken: mit einem Eintrag in ein dubioses gelbes Branchenregister.
Berthold Schmid Salzburg (SN). 2136 Euro soll der Eintrag für zwei Jahre in ein so genanntes Branchenverzeichnis unter dem Titel „gelbeseiten.ag“ kosten – und zahlreiche Unternehmer in Österreich haben bereits gutgläubig unterschrieben.

„Es liegt auf der Hand, dass diese Unternehmer mit dem Begriff ,Gelbe Seiten‘ den Herold, Herausgeber der österreichischen Telefonbücher und der Gelben Seiten, verknüpfen“, sagte Margit Kaluza-Baumruker von Herold in Mödling im SN-Gespräch. Dutzende irritierte Geschäftsleute hätten sich allein am vergangenen Montag gemeldet und um Aufklärung ersucht.

Anfang dieser Woche sind nach SN-Recherchen tausende Faxe von einem Business Fax Center in London in Österreich ausgeschickt worden. Die Empfänger werden aufgefordert, ihr Unternehmen mit Gründungsjahr, Stammkapital, Rechtsform und Anzahl der Mitarbeiter zu beschreiben und die Antwort zu einem bestimmten Termin unterschrieben zurückzuschicken. Im Kleingedruckten ist zu lesen: Der Vertrag untersteht englischem Recht, Gerichtsstand ist London.

„Wir werden kommende Woche beim Handelsgericht Wien eine Klage sowie eine einstweilige Verfügung einbringen“, sagte Kaluza-Baumruker. Hinter dem Absender verberge sich keine Firma in London, vielmehr säßen die Urheber in den Niederlanden.

Die Machenschaften dieser „gelbeseiten.ag“ erinnern frappant an die Vorgehensweise von Adressverlagen, die in den vergangenen sieben Jahren in Österreich rund eine Million Euro abzockten.

Vor wenigen Tagen klickten bei fünf Tatverdächtigen die Handschellen, wie die SN exklusiv berichteten und Staatsanwalt Gerhard Sedlacek vom Landesgericht St. Pölten bestätigte. Der Gruppe wird vorgeworfen, an neu gegründete Firmen Zahlungsaufforderungen für einen Eintrag in ein „öffentliches Handels- und Gewerberegister“ (ÖHG) geschickt zu haben. Tatsächlich verberge sich hinter diesem Register eine wertlose Datenbank, ein Adressengrab im Internet, sagte ein Kriminalist. Viele Opfer hätten im guten Glauben, es handle sich um ein amtliches Register, bezahlt. Eine Eintragung sei mit 1264 bis 1294 Euro verrechnet worden.

Parallel zu den Verhaftungen in Wien wurden in Spanien zwei weitere Tatverdächtige, die als Köpfe der Bande gelten, gefasst. Dieses Paar soll zudem auf Mallorca in einen international tätigen Geldwäschering verstrickt sein. Der Vorwurf dort: 452 Millionen Euro sollen im Zusammenspiel mit Dutzenden Firmen in Südamerika und Spanien „gewaschen“ worden sein.
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