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Biomasse & Solarenergie

Sepp Eisl: Umstieg auf erneuerbare Energien zahlt sich aus!
Salzburg setzt in den vergangenen Jahren verstärkt auf erneuerbare Energien. Im SN-Gespräch zieht Landesrat Sepp Eisl eine positive Bilanz.

HERWIG STEINKELLNER

SN: Was tut denn das Land Salzburg, um die Bevölkerung  beim Energiesparen zu unterstützen?
Eisl: In Salzburg setzen wir auf mehrere Standbeine, um erneuerbare Energie und die effiziente Nutzung von Energie langfristig zu forcieren. Zum einen haben wir in den vergangenen Jahren unsere Angebote der Energieberatung Salzburg, die das Land gemeinsam mit der Salzburg AG eingerichtet hat, umfassend ausgebaut.
Seit dem deutlichen Anstieg der Heizöl- und Gaspreise haben sich dort die Beratungsgespräche vervielfacht, erneuerbare Energie ist zum Thema Nummer 1 geworden. Darüber hinaus bieten wir eine breite Palette an Förderungen im Bereich der erneuerbaren Energie an. Damit wollen wir den Menschen den Umstieg weg von fossilen auf er- neuerbare Energieträger erleichtern. Begleitend zu allen anderen Maßnahmen setzen wir seit Jahren mit der Kampagne „Energie aktiv“ auf die Bewusstseinsbildung. Konsequente Informations- und Aufklärungsarbeit über Vorteile, Kosten und vieles mehr machen sich nun bezahlt.

SN: Wie gut greifen die Förderungen des Landes im Wohnbau?
Eisl: Beim geförderten Wohnbau haben wir im Bundesland Salzburg einen Solaranteil von mehr als 50 Prozent und einen Biomasseanteil von mehr als zwei Dritteln. Diesen erfolgreichen Weg wollen wir keineswegs ändern, sondern auch in Zukunft weiter beschreiten. Für die Jahre 2005 und 2006 haben wir auf Grund des starken Anstiegs der Förderfälle das Gesamtbudget sogar um 30 Prozent aufgestockt.

SN: Energiesparen ist nicht nur für die privaten Haushalte wichtig, sondern auch fürs Gewerbe und den Tourismus. Im Vergleich zu Tirol haben unsere Wirte und Hoteliers bislang nur zögerlich auf Solarenergie reagiert? Werden hier seitens des Landes Maßnahmen gesetzt?
Eisl: Wir haben gemeinsam mit dem Umweltservice Salzburg, das die betriebliche Energieberatung durchführt, speziell für den Tourismus vor rund eineinhalb Jahren das Angebot des Energie-Checks entwickelt. Dabei geht es darum, Tourismusbetriebe, die das wünschen, ganz individuell zu beraten und das Einsparungspotenzial im einzelnen Betrieb – sowohl was den Energieverbrauch als auch die Kosten betrifft – zu errechnen. Das Interesse an diesen Themen ist natürlich auch im Tourismus gegeben, da durch aktuelle Entwicklungen im Angebot der Nächtigungsbetriebe – ein Wellnessbereich gehört heute mehr oder weniger zur Grundausstattung – die Energiekosten enorm gestiegen sind. Mit der Beratung helfen wir den Betrieben auch, bei Bedarf ein langfristiges Sanierungskonzept zu erarbeiten. Damit vermeiden wir, dass Jahr für Jahr teure Einzelmaßnahmen umgesetzt werden.

SN: Bei Pellets sind die Preise explodiert und es kam zu Lieferengpässen. Lohnt es trotzdem, auf Pellets umzusteigen?
Eisl: Die Preise bei Pellets sind nicht explodiert, sondern sie haben auf Grund der extrem und vor allem sehr kurzfristig gestiegenen Nachfrage ausgehend von einem sehr niedrigen Preis seit dem vergangenen Jahr angezogen und sind damit wieder auf einem Preisniveau wie vor einigen Jahren. Trotzdem ist es nach wie vor die richtige Entscheidung, von fossilen Brennstoffen wie Gas oder Öl auf erneuerbare Energie umzusteigen. Auch wenn Pellets jetzt deutlich mehr als vor einem Jahr kosten – eine Entwicklung, die der Markt bestimmt -, sind sie nach wie vor die deutlich günstigere Alternative zu teurem Öl oder Gas. Außerdem werden derzeit vor allem in Ostösterreich einige große Pellets-Produktionsanlagen gebaut, die 2007 und 2008 in Betrieb gehen und damit die Marktsituation wieder entspannen werden.

SN: Es heißt immer wieder, dass im Wald mehr Holz nachwächst als verbraucht wird. Was kann das Land Salzburg tun, um die Salzburger Waldbesitzer zu animieren, die
 Wälder besser und wirtschaftlicher zu bewirtschaften?
Eisl: Ich habe unter dem Motto „Holz der kurzen Wege“ im März Vertreter der Forst- und Holzwirtschaft und der Holz verarbeitenden Industrie zu einem runden Tisch geladen, um gemeinsame Strategien für eine optimale Holzmobilisierung und Ver- sorgung der Abnehmer von Energie- und Industrieholz zu erarbeiten. Wir haben heute im Holzbereich völlig andere Rahmenbedingungen als noch vor einem Jahr, und das ist kein Salzburger, sondern ein europaweites Phänomen.
Bis vor kurzem gab es seitens der Holzindustrie sogar begrenzte Liefermöglichkeiten für heimische Waldbauern, die aus Salzburg kommende Holzmenge für die Salzburger Holzindustrie lag bei nur neun Prozent, der Preis für Industrieholz ist in den vergangenen Jahren von 43 auf 27 Euro pro Festmeter gesunken. Heute sind wir in der Situation, dass Holzindustrie und Forstwirtschaft gemeinsam Strategien erarbeiten und langfristige Partnerschaften eingehen wollen, die die Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigen.
Nur gemeinsam kann es uns gelingen, dass wir zum einen auf die sich europaweit ändernden Holzströme reagieren und Alternativen suchen, zum anderen tausende heimische Arbeitsplätze in der gesamten Holzwirtschaft – von der Holzindustrie über die Holzveredler und die Logistik bis hin zum Energiesektor und der Forstwirtschaft  – sichern und schaffen.

Wie bereits in der Vergangenheit wird das Land Salzburg auch künftig alles dazu beitragen, das Holzaufkommen aus heimischen Wäldern noch stärker zu mobilisieren. Diese verstärkte Mobilisierung soll durch eine Ausbildungs- und Informationsoffensive sowie die verstärkte Nutzung vorhandener Geodaten ermöglicht werden.
Die Regionalwaldhelfer, die vor Ort Waldflächen auf ihr Nutzungspotenzial hin untersuchen, werden mit einem Werkzeug ausgestattet, das eine noch effizientere Analyse der Waldflächen und damit eine noch bessere Information der Grundeigentümer ermöglicht. Der bereits bestehende Ausbildungs-Schwerpunkt „Forstwirtschaft“ als Modullehrgang in der landwirtschaftlichen Fachschule in Tamsweg, aber auch generell die Vermittlung des forstlichen „Handwerkzeugs“ in der landwirtschaftlichen Ausbildung soll noch mehr forciert werden. Mit technischen Maßnahmen und finanziellen Mitteln werden wir auch weiterhin die Erschließung des Waldes fördern. Dabei gilt es für die Zukunft, die Mittel aus der Ländlichen Entwicklung durch eine Sicherstellung der Kofinanzierung durch das Land „abzuholen“. Als weiteres Ergebnis wurde die Prüfung der Möglichkeiten, Alt- und Restholz zukünftig besser verarbeiten zu können, beschlossen.

SN: Sie selbst heizen ja mit Hackschnitzeln. Können Sie uns sagen, wann und warum Sie umgestiegen sind und wie zufrieden Sie sind?
Eisl: Wir sind zu Hause 1992 umgestiegen und heizen nicht nur unser Wohnhaus, sondern auch das Zuhaus und den Milchverarbeitungsbetrieb mit Biomasse. Wir sind sehr zufrieden damit. Umgestiegen sind wir, weil für uns Biomasse die beste Form von erneuerbarer Energie im Betrieb ist, denn der Rohstoff ist  ja vor Ort vorhanden. Wir heizen großteils mit Holz aus dem eigenen Wald. Die Anlage ist eine 65-KW-Anlage, mit der wir ca. 180 Schüttraummeter Hackschnitzel im Jahr verheizen.

SN: Danke für das Gespräch.


FAKTEN
Bis Ende 2005 waren insgesamt rund 37.000 Pellets-Zentralheizungen und rund 9000 Kaminöfen mit einer Wärmeleistung von 790.000 kW in Österreich in Betrieb. Die meisten Anlagen wurden im Jahr 2005 in Oberösterreich mit einem Anteil von 25% errichtet, gefolgt von Niederösterreich mit 22,7% und der Steiermark mit 17,5% (Zahlen laut Landwirtschaftskammer Niederösterreich). Der Pelletsverbrauch stieg in Österreich dadurch um 60.000 t auf rund 280.000 t,  die inländische Produktion wuchs auf rund 490.000 t Pellets.
 
In Deutschland hat sich die Zahl der neu errichteten Pelletsheizungen in den letzten Jahren mehr als verdoppelt, und auch in Italien boomt der Markt. Davon profitieren sowohl die österreichischen Kesselhersteller, die eine dominante Stellung am Markt haben, als auch die Pelletshersteller in den jeweils angrenzenden Regionen. Die Produzenten investieren zurzeit massiv, kommen jedoch mit der Erweiterung ihrer Kapazitäten kaum nach, wodurch es heuer zu längeren Lieferzeiten kommen kann.

Brennstoffpreise: Die hohe Nachfrage nach Pellets wird auch vom Brennstoffmarkt mit zum Teil deutlich gestiegenen Preisen reflektiert. Die Entwicklung über die letzten Jahre zeigt, dass nach früheren Preissenkungen der durchschnittliche Pelletspreis jetzt etwa das Niveau von 2002 erreicht hat. Zum aktuellen Preis sind Pellets als Brennstoff um rund 35% billiger als Öl (Stand: August 2006). „Mittelfristig ist mit einem Preis von rund 25 Cent  pro Kilo zu rechnen. Aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise besteht jetzt die Chance für die heimische Landwirtschaft, als Energielieferant eine zusätzliche attraktive Einkommensquelle zu erschließen und eigene Wälder vermehrt zu nutzen“, meint Bernd Gottinger, Programmleiter von klima:aktiv holzwärme, einer Initiative des Lebensministeriums und pro Pellets Austria.

 

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